Recht kompakt 2026

Alexandra Gick Demian Stauber Für Höhere Fachschulen und Weiterbildung Recht kompakt

Alexandra Gick, Dr. iur. studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich (lic. iur.) und promovierte an der Universität Bern. Sie unterrichtete an der Technikerschule Juventus (HF) das Fach Wirtschaft und Recht. Die ehemalige Studienleiterin/Dozentin der FHNW und der ZHAW für Patent- und Informatikrecht berät zudem Klienten auf dem Gebiet des Innovationsschutzes und des Informatikrechts im eigenen Unternehmen (www.ajg.ch). Demian Stauber, Dr. iur., LL.M. studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, promovierte an der Universität Bern und verfügt über einen LL.M. in Trade Regulation der New York University. Er war als Rechtsanwalt in den Bereichen Vertrags-, Immaterialgüter- und IT-Recht tätig und ist seit 2023 in einem Industrieunternehmen für Immaterialgüterrecht, Forschungs- und Entwicklungsverträge sowie Digitalrecht und Datenschutz zuständig. Daneben ist er Lehrbeauftragter an der Universität Zürich für Internetrecht. Alle Rechte vorbehalten Ohne Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, das Buch oder Teile daraus in irgendeiner Form zu reproduzieren. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne des URG ausdrücklich vor. Haftungsausschluss Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle wird keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte verlinkter Seiten übernommen. Die Verantwortung für diese Seiten liegt ausschliesslich bei deren Betreibern. © by Westermann Schweiz AG Layout und Cover Westermann Schweiz AG, CH-Schaffhausen 3. Auflage 2026 ISBN 978-3-85612-960-6 Westermann Schweiz AG | Breitwiesenstrasse 9 | CH-8207 Schaffhausen Telefon +41 71 845 20 10 | info@klv.ch | www.klv.ch

Inhaltsverzeichnis Vorwort ......................................................................................................................................................... 8 1 Einführung in das Recht 9 1.1 Ordnungsregeln ................................................................................................................................ 9 1.2 Gliederung der Rechtsordnung ....................................................................................................... 10 1.2.1 Aufbau der Rechtsordnung ................................................................................................. 11 1.2.2 Entstehung der Gesetze in der Schweiz ............................................................................ 11 1.2.3 Exkurs: Aufbau der Gesetze ................................................................................................ 12 1.2.4 Rechtsanwendung: Lösungsschema für juristische Fälle ................................................ 12 Zusammenfassung zu Kapitel 1 ................................................................................................................ 14 Aufgaben zu Kapitel 1 ................................................................................................................................. 15 2 Aus dem Privatrecht 16 2.1 Rechtsquellen ................................................................................................................................... 16 2.2 Grundprinzipien des Privatrechts – Allgemeine Rechtsgrundsätze ........................................... 17 2.2.1 Handeln nach Treu und Glauben (ZGB 2) .......................................................................... 17 2.2.2 Guter Glaube (ZGB 3) ........................................................................................................... 18 2.2.3 Gerichtliches Ermessen (ZGB 4) ......................................................................................... 18 2.2.4 Beweisregel (ZGB 8) ............................................................................................................. 18 2.3 Grundbegriffe des Privatrechts ....................................................................................................... 19 2.3.1 Kategorien von Rechten ....................................................................................................... 19 2.3.2 Rechtsubjekt – Rechtsobjekt .............................................................................................. 20 Zusammenfassung zu Kapitel 2 ................................................................................................................ 21 Aufgaben zu Kapitel 2 ................................................................................................................................. 22 3 Aus dem Zivilgesetzbuch (ZGB) 24 3.1 Grundzüge des Personenrechts ..................................................................................................... 24 3.1.1 Arten von Rechtssubjekten ................................................................................................. 24 3.1.2 Rechte und Pflichten der Rechtssubjekte .......................................................................... 25 3.1.3 Anfang und Ende der Persönlichkeit von Rechtssubjekten ............................................. 27 3.1.4 Der Schutz der Persönlichkeit ............................................................................................ 27 3.1.5 Exkurs: Das Datenschutzrecht ............................................................................................ 31 3.2 Grundzüge des Sachenrechts ......................................................................................................... 37 3.2.1 Arten von Sachen ................................................................................................................. 37 3.2.2 Arten von Rechten ................................................................................................................ 37 3.2.3 Eigentum und Besitz ............................................................................................................ 38 3.2.4 Erwerb des Besitzes ............................................................................................................ 38 3.2.5 Rechtswirkungen des Besitzes ........................................................................................... 39 3.2.6 Arten des Eigentums ............................................................................................................ 39 3.2.7 Erwerb des Eigentums ......................................................................................................... 41 3.2.8 Problemfälle: Erwerb durch Übertragung vom Nichtberechtigten .................................. 42 3.2.9 Beschränkungen des Eigentums ........................................................................................ 42 3.2.10 Exkurs: Das Grundbuch ....................................................................................................... 46 Zusammenfassung zu Kapitel 3 ................................................................................................................ 47 Aufgaben zu Kapitel 3 ................................................................................................................................. 49

4 Aus dem Obligationenrecht (OR): Grundlagen 51 4.1 Begriff & Entstehung der Obligation .............................................................................................. 51 4.2 Entstehung aus ungerechtfertigter Bereicherung (OR 62 ff.) ....................................................... 51 4.3 Entstehung aus unerlaubter Handlung (OR 41 ff.) ........................................................................ 52 4.3.1 Allgemeine Voraussetzungen der Haftpflicht nach OR .................................................... 53 4.3.2 Die besonderen Voraussetzungen der Haftpflicht nach OR und Spezialgesetz ........... 54 4.3.3 Spezialgesetzliche Kausalhaftung: Produktehaftpflichtgesetz (PrHG) .......................... 57 4.3.4 Exkurs: Produktesicherheitsgesetz (PrSG) ........................................................................ 58 4.3.5 Mehrheit von Haftungsgründen und Haftpflichtigen ........................................................ 59 4.3.6 Verjährung von Schadenersatzansprüchen ...................................................................... 59 4.4 Entstehung aus Vertrag ................................................................................................................... 60 4.4.1 Vertragsschluss .................................................................................................................... 61 4.4.2 Vertragsfähigkeit .................................................................................................................. 61 4.4.3 Form der Verträge ................................................................................................................ 62 4.4.4 Mängel beim Vertragsschluss ............................................................................................. 63 4.4.5 Widerruf von Verträgen ....................................................................................................... 65 4.4.6 Vertragserfüllung – Leistungsstörung ............................................................................... 66 4.4.7 Beendigungsgründe von Verträgen .................................................................................... 67 4.4.8 Verjährung ............................................................................................................................. 67 4.4.9 Stellvertretung (OR 32 ff.) .................................................................................................... 68 4.4.10 Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) ........................................................................ 69 Zusammenfassung zu Kapitel 4 ................................................................................................................ 71 Aufgaben zu Kapitel 4 ................................................................................................................................. 73 5 Einzelne Vertragsverhältnisse des OR 76 5.1 Überblick über die einzelnen Vertragsverhältnisse ...................................................................... 76 5.2 Der Kaufvertrag ................................................................................................................................ 76 5.2.1 Arten des Kaufvertrags ........................................................................................................ 77 5.2.2 Übergang von Nutzen und Gefahr ...................................................................................... 78 5.2.3 Vertragsverletzungen beim Kaufvertrag und ihre Rechtsfolgen ..................................... 78 5.2.4 Besonderheiten des Grundstückkaufs .............................................................................. 81 5.3 Der Arbeitsvertrag ............................................................................................................................ 82 5.3.1 Abgrenzungen und Rechtsquellen ..................................................................................... 82 5.3.2 Der Einzelarbeitsvertrag (EAV) ............................................................................................ 83 5.3.3 Exkurs: Arbeitssicherheit ..................................................................................................... 90 5.4 Der Auftrag ........................................................................................................................................ 91 5.4.1 Abgrenzung von anderen Verträgen auf Arbeitsleistung ................................................. 91 5.4.2 Pflichten der Parteien .......................................................................................................... 92 5.4.3 Haftung der Parteien ............................................................................................................ 92 5.4.4 Beendigung des Auftrags .................................................................................................... 93 5.4.5 Besondere Arten des Auftrags ........................................................................................... 93 5.5 Der Werkvertrag ............................................................................................................................... 94 5.5.1 Abgrenzungen von anderen Verträgen .............................................................................. 94 5.5.2 Pflichten der Parteien .......................................................................................................... 94 5.5.3 Haftung des Unternehmers ................................................................................................ 95 5.5.4 Beendigung des Werkvertrags ........................................................................................... 97 Zusammenfassung zu Kapitel 5 ................................................................................................................ 98 Aufgaben zu Kapitel 5 ................................................................................................................................. 101

6 Nicht im OR geregelte Verträge 105 6.1 Der Leasingvertrag ........................................................................................................................... 105 6.1.1 Abgrenzung zu Verträgen des OR ...................................................................................... 105 6.1.2 Erscheinungsformen des Leasings .................................................................................... 106 6.1.3 Form des Leasingvertrags ................................................................................................... 107 6.1.4 Rechte und Pflichten der Parteien ...................................................................................... 107 6.1.5 Gefahrtragung ...................................................................................................................... 108 6.1.6 Haftung der Parteien ............................................................................................................ 108 6.1.7 Beendigung ........................................................................................................................... 108 6.1.8 Besondere Probleme im Konkurs des Leasingnehmers .................................................. 108 6.2 Der Lizenzvertrag ............................................................................................................................. 109 6.2.1 Abgrenzungen ...................................................................................................................... 109 6.2.2 Erscheinungsformen ............................................................................................................ 109 6.2.3 Form des Lizenzvertrags ..................................................................................................... 110 6.2.4 Rechte und Pflichten der Parteien ...................................................................................... 110 6.2.5 Leistungsstörungen/Haftung der Parteien ........................................................................ 111 6.2.6 Beendigung ........................................................................................................................... 111 Zusammenfassung zu Kapitel 6 ................................................................................................................ 112 Aufgaben zu Kapitel 6 ................................................................................................................................. 113 7 Gesellschaftsrecht 114 7.1 Grundlagen ....................................................................................................................................... 114 7.2 Einteilung von Unternehmen ........................................................................................................... 115 7.2.1 Die einfache Gesellschaft ................................................................................................... 115 7.2.2 Die Genossenschaft ............................................................................................................. 116 7.2.3 Die Handelsgesellschaft ..................................................................................................... 117 7.3 Exkurs: Die Gesellschaftsgründung ............................................................................................... 122 7.3.1 Praktisches Vorgehen .......................................................................................................... 122 7.3.2 Der Businessplan ................................................................................................................. 123 7.3.3 Kosten der Unternehmensgründung .................................................................................. 124 7.4 Exkurs: Das Handelsregister & das Recht der Geschäftsfirmen ................................................. 124 7.4.1 Rechtswirkungen des Handelsregistereintrags ................................................................ 125 7.4.2 Aufgaben des Handelsregisterführers ............................................................................... 125 7.4.3 Das Recht der Geschäftsfirmen ......................................................................................... 125 Zusammenfassung zu Kapitel 7 ................................................................................................................ 126 Aufgaben zu Kapitel 7 ................................................................................................................................. 127 8 Das Wettbewerbsrecht 128 8.1 Grundlagen ....................................................................................................................................... 128 8.2 Lauterkeitsrecht (UWG) ................................................................................................................... 129 8.2.1 Ziel des UWG ........................................................................................................................ 129 8.2.2 Geltungsbereich ................................................................................................................... 129 8.2.3 Aufbau des UWG .................................................................................................................. 129 8.2.4 Klageberechtigung und Ansprüche .................................................................................... 130

8.3 Kartellrecht (KG) ................................................................................................................................ 130 8.3.1 Ziel des KG ............................................................................................................................ 130 8.3.2 Geltungsbereich ................................................................................................................... 130 8.3.3 Schädliche Verhaltensweisen von Unternehmen gemäss KG ......................................... 131 8.3.4 Rechtfertigungsgründe ........................................................................................................ 132 8.3.5 Behörden und Verfahren ..................................................................................................... 133 Zusammenfassung zu Kapitel 8 ................................................................................................................ 135 Aufgaben zu Kapitel 8 ................................................................................................................................. 136 9 Geistiges Eigentum 137 9.1 Definition & Funktionen der Immaterialgüterrechte (IGR) ........................................................... 137 9.2 Grenzen der Immaterialgüterrechte ............................................................................................... 138 9.3 Schutzrechte für verschiedene Bedürfnisse ................................................................................. 138 9.4 Einteilung der Immaterialgüterrechte ............................................................................................ 139 9.5 Patentrecht ........................................................................................................................................ 139 9.5.1 Rechtsquellen des Patentrechts ......................................................................................... 139 9.5.2 Schutzgegenstand – was kann patentiert werden? ......................................................... 140 9.5.3 Schutzvoraussetzungen ...................................................................................................... 140 9.5.4 Ausnahmen von der Patentierung ...................................................................................... 141 9.5.5 Erfindung im Rahmen eines Vertragsverhältnisses .......................................................... 142 9.5.6 Patentanmeldung – Anmeldewege und notwendiger Inhalt ........................................... 143 9.5.7 Inhalt des Patentrechts ....................................................................................................... 144 9.5.8 Schranken des Patentrechts ............................................................................................... 144 9.5.9 Schutzdauer und Erlöschensgründe .................................................................................. 145 9.6 Markenrecht ...................................................................................................................................... 146 9.6.1 Schutzgegenstand – was ist eine Marke? ......................................................................... 146 9.6.2 Schutzfähigkeit – absolute Schutzausschlussgründe ..................................................... 147 9.6.3 Schutzfähigkeit – relative Schutzausschlussgründe ....................................................... 149 9.6.4 Anmeldewege ....................................................................................................................... 150 9.6.5 Inhalt des Markenrechts ..................................................................................................... 151 9.6.6 Schranken des Markenrechts ............................................................................................. 151 9.6.7 Schutzdauer .......................................................................................................................... 151 9.6.8 Gebrauchszwang ................................................................................................................. 152 9.7 Urheberrecht ..................................................................................................................................... 152 9.7.1 Schutzgegenstand ............................................................................................................... 153 9.7.2 Der Urheber .......................................................................................................................... 156 9.7.3 Schranken des Urheberrechts ............................................................................................ 156 9.7.4 Inhalt des Urheberrechts .................................................................................................... 157 9.7.5 Übergang des Urheberrechts .............................................................................................. 159 9.7.6 Schutzdauer .......................................................................................................................... 160 9.7.7 Verwandte Schutzrechte ..................................................................................................... 160 9.7.8 Exkurs: Schutz von technischen Massnahmen ................................................................. 161 9.7.9 Verwertungsgesellschaften ................................................................................................ 161 9.8 Rechtschutz im Immaterialgüterrecht ........................................................................................... 163 Zusammenfassung zu Kapitel 9 ................................................................................................................ 164 Aufgaben zu Kapitel 9 ................................................................................................................................. 167

10 Durchsetzung von Forderungen & Rechtsansprüchen 169 10.1 Schuldbetreibungs- & Konkursrecht .............................................................................................. 169 10.1.1 Ablauf der Zwangsvollstreckung nach SchKG .................................................................. 170 10.1.2 Exkurs: Der Privatkonkurs ................................................................................................... 178 10.1.3 SchKG und Strafrecht ........................................................................................................... 178 10.2 Grundzüge des Prozessrechts ........................................................................................................ 179 10.2.1 Prozessarten ......................................................................................................................... 179 10.2.2 Das Zivilprozessrecht .......................................................................................................... 180 Zusammenfassung zu Kapitel 10 .............................................................................................................. 182 Aufgaben zu Kapitel 10 ............................................................................................................................... 185 Anhang 187 Internetverzeichnis ..................................................................................................................................... 187 Bildquellenverzeichnis ................................................................................................................................ 187 Stichwortverzeichnis ................................................................................................................................... 188

Qualitätsansprüche KLV steht für KLAR • LÖSUNGSORIENTIERT • VERSTÄNDLICH Bitte melden Sie sich bei uns per Mail (info@klv.ch) oder Telefon (+41 71 845 20 10), wenn Sie in diesem Werk Verbesserungsmöglichkeiten sehen oder Druckfehler finden. Vielen Dank. Vorwort Dieses Lehrbuch richtet sich an Studierende und Lehrpersonen von Höheren Fachschulen und von Fachhochschulen verschiedener Fachrichtungen. Es vermittelt Grundkenntnisse einzelner Teile des ZGB, des Vertrags- sowie des Wirtschaftsrechts und zeigt die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Praxis für künftige Fachkräfte in Richtung Betriebswirtschaft, Personalwesen, IT und Ingenieurwesen. Einzelne Rechtsgebiete wie das Persönlichkeitsrecht, das Datenschutzrecht und das Urheberrecht haben in den letzten Jahren aufgrund der zunehmenden Digitalisierung an Bedeutung gewonnen und werden deshalb ausführlich behandelt. Die Vorauflagen dieses Buches wurden von Alexandra Gick auf der Grundlage ihrer an Hochschulen und an Höheren Fachschulen gehaltenen Vorlesungen und dabei gesammelten Erfahrungen der Studierenden hinsichtlich der praxisrelevanten Themen erstellt. Die aktualisierte Auflage basiert auf der Vorauflage und berücksichtigt Gesetzesänderungen und Entwicklungen in der Rechtsprechung bis April 2026. Aus lesetechnischen Gründen verwenden wir in der Regel die männliche Form des Wortes und meinen damit immer alle Geschlechter. Gerne danken wir dem Westermann Schweiz Verlag, der die 3. teilweise überarbeitete Auflage ermöglicht hat, und Frau Lenka Borutova, Produkt Managerin, für ihre sehr kompetente Unterstützung. Herrliberg/Uster Alexandra Gick/Demian Stauber, Juni 2026 Hinweis Die Lösungen und die PowerPoint-Präsentation finden Sie auf unserer Webseite www.klv.ch unter dem jeweiligen Produkt oder über den Direktlink: www.klv.ch/960-6/Materialien.

1 Einführung in das Recht | 9 1 Einführung in das Recht Lernziele – Sie unterscheiden zwischen verschiedenen Arten von Ordnungsregeln. – Sie kennen die Gliederung der Rechtsordnung und wissen, auf welchem Weg die Gesetze in der Schweiz entstehen. – Sie wissen, wie Gesetzesartikel aufgebaut sind. 1.1 Ordnungsregeln Das Zusammenleben von Menschen wird durch Ordnungsregeln gestaltet. Diese Regeln enthalten Vorschriften für das Verhalten der Menschen. Je mehr Menschen auf einem Gebiet zusammenleben, umso eher muss ihr Verhalten geregelt werden. Ohne allgemeingültige Ordnungsregeln würde Chaos herrschen und die Gemeinschaft würde letztlich auseinanderbrechen. Folgende Ordnungsregeln lassen sich unterscheiden: Recht Sitte Moral/Ethik – schriftlich – erzwingbar – regelt das äussere Verhalten – nicht schriftlich – nicht erzwingbar – regelt das äussere Verhalten – nicht schriftlich – nicht erzwingbar – innere Überzeugung regelt das Verhalten Bauen nach Bauvorschrift Einhaltung von Normen Tischsitten Anstandsregeln innere Einstellung gegenüber anderen Lebewesen oder dem Eigentum Das Verhalten der Menschen kann durch Sitte und Moral bestimmt werden. Diese sind in der Regel nicht schriftlich und nur durch sozialen Druck oder familiäre Vorschriften durchsetzbar. Sittliche und moralische Vorschriften sind nicht allgemeingültig, können sich relativ schnell (oft innerhalb einer Generation) ändern, zudem sind sie regional unterschiedlich.

36 | 3 Aus dem Zivilgesetzbuch (ZGB) 3.1.5.7 Rechtschutz und Strafbestimmungen (DSG 32, 60–66) Einerseits ergibt sich direkt aus DSG 32 ein zivilrechtliches Verbotsrecht: Widerrechtliche Datenbearbeitungen durch Private oder durch öffentliche Organe können untersagt und eine Berichtigung, Vernichtung oder Sperre der Daten verlangt werden. Daneben besteht die Möglichkeit von Schadenersatzforderungen aus Persönlichkeitsverletzung (ZGB 28 ff. in Verbindung mit OR 49). Andererseits zeitigt die Verletzung der Bestimmungen des DSG strafrechtliche Konsequenzen, wobei die Sanktionsandrohung von der Schwere der verletzen Pflichten abhängt (DSG 60–64). Verstösse gegen wichtige Pflichten können mit Busse bis zu CHF 250 000.00 bestraft werden. 3.1.5.8 Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Die Datenschutzgrundverordnung ist das Datenschutzgesetz der EU. Besonderes Merkmal der DSGVO ist ihre exterritoriale Wirkung: im Umgang mit EU-Bürgern kann sie auch für ausserhalb der EU ansässige Unternehmen anwendbar sein. Deshalb müssen die Bestimmungen der DSGVO unter Umständen auch von schweizerischen Unternehmen beachtet werden. Wesentliche Inhalte der DSGVO im Überblick: – Unternehmen müssen ab einer Unternehmensgrösse von 250 MiA oder wenn das Unternehmen systematisch mit Personendaten arbeitet (dazu gehört bereits eine Arztpraxis) zwingend einen Datenschutzbeauftragten ernennen. – DS-Verletzungen müssen unverzüglich (innert 72 Std. ab Verletzung) an die Behörden gemeldet, Betroffene müssen informiert werden. – Es besteht generell eine Informationspflicht der Unternehmen bezüglich der Erhebung von persönlichen Daten. – Betroffenenrechte sind gut ausgebaut, so bestehen umfassende Auskunftsrechte, ein Recht auf Vergessen (Nutzer haben das Recht auf Löschung ihrer personenbezogenen Daten) sowie ein Recht auf Datenfreizügigkeit, z. B. beim Wechsel des Anbieters. – Nutzer haben ferner ein Anrecht auf Datensicherheit. Es besteht eine Pflicht für Unternehmen, unbefugten Zugriff oder Zufall zu verhindern. Die Folgen bei Verstoss gegen diese Bestimmungen sind rigoros: es ist eine Geldbusse bis zu 20 Mio EUR zu entrichten oder 4 % des weltweiten Umsatzes.

3 Aus dem Zivilgesetzbuch (ZGB) | 37 3.2 Grundzüge des Sachenrechts 3.2.1 Arten von Sachen Sachen materielle Sachen bewegliche Sachen ZGB 713 ff. unbewegliche Sachen ZGB 655 ff. immaterielle Sachen (gebräuchlicher: Immaterialgüter) Erfindungen, Kunstwerke, Marken, Design Regelung in Spezialgesetzen: Patentgesetz, Markenschutzgesetz usw. Als materielle Sache wird ein körperlicher Gegenstand bezeichnet, der physisch abgrenzbar ist (z. B. Wasser oder Luft in der Flasche), der menschlichen Herrschaft unterworfen werden kann und verschieden ist vom menschlichen Körper. Immaterialgütern fehlt die Körperlichkeit, sie sind deshalb keine eigentlichen Sachen und werden nicht im ZGB, sondern in Spezialgesetzen geregelt. Die Immaterialgüterrechte werden hinten in Kapitel 9 (Geistiges Eigentum) auszugsweise behandelt. Das ZGB unterteilt die materiellen Sachen in bewegliche und unbewegliche Sachen («Fahrnis» und Immobilien oder Grundstücke). Diese Unterscheidung ist wichtig, weil für beide Gruppen unterschiedliche Regeln gelten. So erfordert beispielsweise die Übertragung des Eigentums an Immobilien die Eintragung ins Grundbuch, während der Eigentumsübergang an Fahrnis formlos gültig ist. Zahlreiche weitere Unterschiede sind aus den beiden Titeln des ZGB, die Fahrnis und Immobilien getrennt behandeln, ersichtlich. 3.2.2 Arten von Rechten Rechtssubjekte können zu Sachen in einer Rechtsbeziehung stehen, an ihnen verschiedene Rechte begründen. Je nach Intensität der Rechtsbeziehung lassen sich diese Rechte in dingliche oder obligatorische Rechte unterscheiden. Rechte eines Einzelnen an materiellen Sachen dingliche Rechte obligatorische Rechte garantieren umfassende Herrschaftsgewalt an der Sache verkörpern einen Anspruch an einer oder auf eine Sache wirken gegenüber jedermann → absolute Rechte wirken gegenüber bestimmten Personen → relative Rechte Dingliche Rechte sind unmittelbare Rechte. Der Eigentümer kann rechtlich voll und ganz über eine Sache verfügen, sie gebrauchen, verbrauchen, sie nutzen, sie gar – im Rahmen der Rechtsordnung – auch zerstören. Dingliche Rechte sind absolute Rechte. siehe Kapitel 9

60 | 4 Aus dem Obligationenrecht (OR): Grundlagen 4.4 Entstehung aus Vertrag Wie bisher gesehen, können Obligationen (Verpflichtungen) aus ungerechtfertigter Bereicherung und aus unerlaubter Handlung entstehen. Die daraus resultierenden Obligationen entstehen ungewollt. Der dritte Entstehungsgrund ist der Abschluss eines Vertrags. Verträge und die darin enthaltenen Verpflichtungen (Obligationen) der Parteien entstehen gewollt. In einem Vertrag vereinbaren zwei oder mehrere Parteien gemeinsam den Austausch von Leistungen. An einem Vertrag sind immer mindestens zwei Parteien beteiligt, daher ist ein Vertrag ein zweiseitiges Rechtsgeschäft. Rechtsgeschäfte sind Willensäusserungen, die eine Rechtswirkung herbeiführen, wie z. B. die Entstehung, Änderung oder Aufhebung von Rechten und Pflichten. Tauschen die Parteien bei einem zweiseitigen Rechtsgeschäft gegenseitig Leistungen aus, so handelt es sich um ein vollkommen zweiseitiges Rechtsgeschäft. Fehlt eine Gegenleistung, so spricht man von einem unvollkommen zweiseitigen Rechtsgeschäft. Rechtsgeschäft einseitige Rechtsgeschäfte vollkommen zweiseitig: z. B. Kauf, Arbeitsvertrag, Lizenzen unvollkommen zweiseitig: z. B. zinsloses Darlehen zweiseitige Rechtsgeschäfte z. B. Testament, Kündigung siehe Beispiel 3 in Kapitel 4.1

4 Aus dem Obligationenrecht (OR): Grundlagen | 61 4.4.1 Vertragsschluss Der Vereinbarung gehen in der Regel mindestens zwei Willensäusserungen voraus: Antrag (= Offerte) der einen Partei und die Annahme der Offerte durch die andere Partei. Beim Vertragsschluss tauschen die Parteien diese Willensäusserungen gegenseitig aus. Stimmen die Willensäusserungen betreffend die wesentlichen Punkte überein, herrscht Konsens und es entsteht gemäss OR 1 ein Vertrag (= Vereinbarung). Können sie sich über einen Punkt nicht einigen, besteht Dissens. In diesem Fall entsteht kein Vertrag. Die Willensäusserungen können ausdrücklich erfolgen (mündlich oder schriftlich) oder stillschweigend (durch schlüssiges Verhalten, wie Ausstellen der Ware im Geschäft = Antrag, Auflegen der Ware an der Kasse = Annahme). Die einzelnen Willensäusserungen sind verbindlich. Bei Anträgen ist zu unterscheiden, ob sie befristet oder unbefristet erfolgen. Befristete Anträge sind bindend bis zum Ablauf der Frist (OR 3). Bei unbefristeten Anträgen sind zwei Möglichkeiten zu unterscheiden: Verbindlichkeit unbefristeter Anträge unter Anwesenden unter Abwesenden OR 4: Bindung, solange gesprochen wird, z. B. am Telefon OR 5: Bindung so lange, wie bei normalem Post-, Fax- oder E-Mail-Verkehr Antwort zu erwarten ist Die Zusendung einer unbestellten Sache gilt nicht als Antrag und der Empfänger ist nicht verpflichtet, darauf zu reagieren: Er muss die Sache weder zurücksenden noch aufbewahren (OR 6a). Beide Willensäusserungen – Offerte wie Annahme – können widerrufen werden, jedoch muss der Widerruf vor oder gleichzeitig mit der zu widerrufenden Erklärung bei der anderen Partei eintreffen (OR 9). Beispiel Absendung der Annahmeerklärung per A-Post am Montagmorgen, erwartetes Eintreffen beim Empfänger am Dienstagmorgen. Durch eine Faxnachricht am Montagnachmittag kann die Annahmeerklärung rechtzeitig widerrufen werden und es entsteht kein Vertrag. 4.4.2 Vertragsfähigkeit Gültige Willensäusserungen abgeben und damit Verträge abschliessen können nur handlungsfähige Personen. Sowohl natürliche als auch juristische Personen können durch eigenes Handeln Rechtswirkungen herbeiführen, so z. B. einen gültigen Vertragsschluss bewirken. Diese Fähigkeit heisst Vertragsfähigkeit und ist eine der Voraussetzungen eines gültigen Vertragsschlusses. siehe Kapitel 3.1.2.1

112 | 6 Nicht im OR geregelte Verträge Zusammenfassung zu Kapitel 6 Kennzeichnend: Ein Leasingvertrag weist Elemente des Kaufs und der Miete bzw. Pacht auf («gemischter Vertrag»). Erscheinungsformen des Leasings – Direktes Leasing: Es gibt nur zwei Parteien, der Leasinggeber ist zugleich Hersteller des Leasinggegenstandes. – Indirektes Leasing: Es gibt drei Parteien, nämlich den Hersteller, den Leasinggeber und den Leasingnehmer. Zwischen dem Hersteller und dem Leasinggeber besteht ein Kauf- oder ein Werkvertrag. Der Leasingvertrag besteht zwischen Leasinggeber und -nehmer. Form des Leasingvertrags: formfrei; dem KKG unterliegende Leasingverträge müssen die Schriftform erfüllen. Pflichten des Leasinggebers und Haftung: Überlassung des Leasingobjekts zum Gebrauch und im Falle des indirekten Leasings die Abtretung seiner Mängelrechte gegenüber dem Hersteller an den Leasingnehmer. Der Leasinggeber haftet gemäss AGB oder nach OR 97. Pflichten des Leasingnehmers und Haftung: Bezahlung der Leasingraten und Unterhalt des Leasinggegenstandes auf eigene Kosten. Er haftet für die Bezahlung der Raten. Beendigung des Leasingvertrags: mit dem Ablauf des Vertrags. Eine Kündigung aus wichtigen Gründen ist möglich, z. B. wegen Nichtbezahlung der Leasingraten. Durch einen Lizenzvertrag ermöglicht der Lizenzgeber dem Lizenznehmer die Benutzung eines Immaterialgutes gegen Entgelt auf Dauer. Beim Lizenzvertrag wird wie beim Leasing kein Eigentum übertragen, erlaubt ist lediglich die Nutzung eines Immaterialgutes. Der Lizenzvertrag ist gesetzlich nicht geregelt. Lizenzverträge sind entweder eigenständige oder gemischte Verträge mit Elementen des Kauf-, Miet- oder Pachtvertrags. Wichtige Erscheinungsformen: – Einfache Lizenz: Der Lizenznehmer darf das Lizenzobjekt benutzen, der Lizenzgeber bleibt zur Vergabe weiterer Lizenzen berechtigt. – Ausschliessliche Lizenz: Der Lizenzgeber verpflichtet sich, keinem anderen als dem Lizenznehmer eine Lizenz zu erteilen. Der Lizenznehmer ist – je nach Vertrag – in zeitlicher und gegenständlicher Hinsicht geschützt. Grundsätzlich ist bei dieser Form möglich, dass der Lizenzgeber neben dem Lizenznehmer zur Benutzung berechtigt bleibt. Wurde jedoch vereinbart, dass der Lizenznehmer als Einziger berechtigt ist und selbst der Lizenzgeber von der Nutzung ausgeschlossen bleibt, so handelt es sich um eine Exklusivlizenz. – Unterlizenz: Der Lizenznehmer überträgt seine Rechte ganz oder teilweise an einen Dritten (ähnlich einer Untermiete beim Mietvertrag). Die Zulässigkeit muss vertraglich geregelt werden. Fehlt eine Bestimmung dazu im Lizenzvertrag, so ist die Zulässigkeit einer Unterlizenz nur anzunehmen, wenn es nicht wesentlich auf die Person des Lizenznehmers ankommt. – Cross License (Kreuzlizenz): Die Vertragsparteien erteilen sich gegenseitig eine Lizenz. Pflichten der Parteien: gemäss Vertrag. Typischerweise muss der Lizenzgeber die vereinbarte Nutzung der Rechte ermöglichen und der Lizenznehmer muss die Lizenzgebühr bezahlen. Weitere mögliche Pflichten: Benutzungspflicht (bei Exklusivlizenzen); Bezugs- und Werbepflichten; Pflicht zur Bezahlung von Schutzrechtsgebühren usw. Haftung: gemäss Vertrag. Kommt einer der Parteien in Verzug und fehlen dazu vertragliche Bestimmungen, kann auf die allgemeinen Bestimmungen des OR 102 ff. zurückgegriffen werden. Bei Mängeln des Lizenzobjektes kommt (bei Sachmängeln) die Nachbesserung infrage, bei weiteren Mängeln eine Reduktion der Gebühren, Schadenersatz und im schlimmsten Fall die Aufhebung des Vertrags. Beendigung: In der Regel mit dem Ablauf der vertraglich vereinbarten Dauer. Bei unbefristeten Lizenzverträgen kommt auch eine Kündigung oder die gegenseitige Aufhebung infrage.

6 Nicht im OR geregelte Verträge | 113 Aufgaben zu Kapitel 6 1. Worin unterscheiden sich Leasingvertrag, Mietvertrag und Kaufvertrag? 2. Was versteht man unter einem direkten Leasing? 3. Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet ein Leasingvertrag? 4. Heino least einen Mercedes bei der Bank Z. Wie nennt sich diese Form von Leasing? 5. Heino hat seinen derzeit genutzten Audi mit Hinblick auf den Liefertermin des geleasten Mercedes am 14. Januar 2026 verkauft. Der Mercedes ist jedoch Ende Januar immer noch nicht eingetroffen. Die Bank Z. entschuldigt sich mit Lieferschwierigkeiten des Herstellers und bittet Heino zu warten. Heino ist Taxifahrer und hat ohne Auto grosse finanzielle Schwierigkeiten. Was kann er machen? 6. Was für Verträge werden geschlossen? a) X. erlaubt Ihnen, ein von ihm geschaffenes Computerprogramm zu brauchen und sein Firmenlogo zu benutzen. b) Sie kaufen einen neuen Laptop. 7. Welche Arten des in 6 a) genannten Vertrags kennen Sie? 8. Sie kaufen eine Software für Ihren Laptop. In der Folge installieren Sie die Software auch auf den Laptop Ihrer Frau. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass Sie das dürfen – Sie haben die Software ja gekauft! Liegen Sie richtig mit dieser Behauptung? 9. Sind folgende Verträge gültig: a) Patentlizenzvertrag über ein Perpetuum mobile? b) Ein Patentlizenzvertrag, bei dem sechs Monate nach Vertragsschluss das Patent vom Patentamt für nichtig erklärt wird? 10. Nennen Sie je zwei Pflichten des Lizenzgebers und des Lizenznehmers.

114 | 7 Gesellschaftsrecht 7 Gesellschaftsrecht Lernziele – Sie kennen die verschiedenen Gesellschaftsformen des schweizerischen Rechts. – Sie erläutern die Vor- und Nachteile der verschiedenen Gesellschaftsformen und können die für den konkreten Fall geeignete Rechtsform wählen. – Sie kennen das praktische Vorgehen für eine Gesellschaftsgründung und wissen, was ein Businessplan ist. – Die Bedeutung des Handelsregisters und dessen Rechtswirkungen sind Ihnen bekannt. Will jemand in der Schweiz ein Unternehmen gründen, steht ihm dazu eine begrenzte Anzahl an gesetzlichen Rechtsformen zur Verfügung. Welche Rechtsform er schliesslich wählt, hängt von den individuellen Wünschen ab. Entscheidungskriterien werden der Kapitalbedarf, Gründungskosten, der Wunsch des Unternehmers nach Unabhängigkeit sowie Haftungs- und steuerliche Gesichtspunkte sein. Im Folgenden werden zuerst die rechtlichen Grundlagen der Unternehmen behandelt und ein tabellarischer Überblick über alle zur Verfügung stehenden Unternehmensformen gezeigt. 7.1 Grundlagen Als Firma wird der Name des Unternehmens bezeichnet und – entgegen dem schweizerischen Sprachgebrauch – nicht das Unternehmen selbst. Die Firma kann in das Handelsregister eingetragen werden und ist dann gemäss OR 956 firmenrechtlich geschützt. Gemäss OR 956 steht die im Handelsregister eingetragene Firma eines einzelnen Geschäftsinhabers oder einer Handelsgesellschaft oder Genossenschaft dem Berechtigten zum alleinigen Gebrauch zu. Der Sitz des Unternehmens ist frei wählbar. Er ist von Bedeutung für den Ort, an dem die Eintragung ins Handelsregister erfolgt, für die steuerliche Erfassung und für die gerichtliche Zuständigkeit in Verfahren gegen die Gesellschaft (Gerichtsstand), sofern vertraglich nicht etwas anderes bestimmt wurde. Als Gesellschaft wird eine Verbindung von mehreren Personen aufgrund eines Vertrags bezeichnet, in dem sie sich zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks mit gemeinsamen Mitteln verpflichten (OR 530). Es gibt Gesellschaften, bei denen das persönliche Element der Beteiligten die Hauptrolle spielt. Diese Gesellschaften heissen Personengesellschaften. Ist der Fokus mehr auf das eingebrachte Kapital gerichtet, dann handelt es sich um Kapitalgesellschaften. Diese Unterscheidung ist in der Praxis wegen der unterschiedlichen Haftung der Gesellschafter von Bedeutung: bei den Kapitalgesellschaften sind die Gesellschafter von der Haftung von vornherein befreit, für die Gesellschaftsschulden haftet einzig das Gesellschaftsvermögen. Beispiele Personengesellschaft einfache Gesellschaft, Kollektiv- und Kommanditgesellschaft, Verein Beispiele Kapitalgesellschaft AG, GmbH, Kommandit-AG

7 Gesellschaftsrecht | 115 7.2 Einteilung von Unternehmen Einzelunternehmen (einzelner Eigentümer) kein bestimmter Zweck Gesellschaft (Zusammenschluss von Personen) wirtschaftlicher Zweck Anstalt/Stiftung (verselbstständigtes Vermögen) ideeller Zweck einfache Gesellschaft Handelsgesellschaft Genossenschaft Verein Unternehmerisches Handeln ist, wie oben dargestellt, auf verschiedene Arten und in verschiedenen Formen möglich. Will jemand ein kaufmännisches Gewerbe betreiben, ohne die Verantwortung mit einer anderen Person teilen zu müssen, wird er die Form des Einzelunternehmens wählen. Dann bringt er das gesamte benötigte Kapital selbst auf und kann eigenständig entscheiden, wie er vorgehen will. Erwirtschaftet er einen Gewinn, muss er ihn nicht teilen. Auf der anderen Seite trägt er auch den ganzen Verlust allein und haftet allein, mit seinem Geschäfts- und Privatvermögen, unbeschränkt für die Schulden des Unternehmens. Will jemand (eine private Person oder die öffentliche Hand) nicht unternehmerisch tätig werden, sondern nur sein Kapital einem bestimmten Zweck widmen, dann steht ihm die Form der Anstalt zur Verfügung. Bei der Anstalt handelt es sich nicht um eine Verbindung von Personen, sondern um Vermögen, die eine bestimmte im Voraus bestimmte Aufgabe erfüllen und ein eigenes Rechtssubjekt bilden. Es gibt öffentlich-rechtliche Anstalten wie die SUVA oder privatrechtliche: die Stiftungen. Das Recht der Stiftungen ist im ZGB geregelt. Beschliessen hingegen mehrere Personen, sich zur Verfolgung eines gemeinsamen Geschäftes mit gemeinsamen Mitteln zusammenzuschliessen, bilden sie eine Gesellschaft. Gesellschaften kommen in vier Erscheinungsformen vor: als einfache Gesellschaft, als Genossenschaft, als Handelsgesellschaften und in der Form des Vereins. Die drei erstgenannten Erscheinungsformen sind im OR, der Verein ist im ZGB geregelt. Nachfolgend werden die im OR geregelten Erscheinungsformen von Gesellschaften behandelt. 7.2.1 Die einfache Gesellschaft Der Name ist hier irreführend, es handelt sich hierbei lediglich um einen losen Zusammenschluss auf Vertragsbasis von verschiedenen Personen zur Erreichung eines bestimmten Zweckes mit gemeinsamen Mitteln. Die beteiligten Personen bleiben dabei rechtlich selbstständig, die einfache Gesellschaft hat keine eigene Rechtspersönlichkeit. Somit kann sie auch keine Rechte erwerben oder Pflichten begründen. So haften auch die einzelnen Gesellschafter solidarisch und mit ihrem ganzen Vermögen für Schulden (OR 544 III). In der Regel hat die einfache Gesellschaft einen Geschäftsführer, der die täglichen Geschäfte erledigt und die Aussensiehe Kapitel 3.1.1–3.1.3

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