mobile.schule MAGAZIN 02/26

46 I INTERVIEW OPTIMISMUS IST PFLICHT mobile.schule: Viele neue Aufgaben, dauerhaft schlechte Ausstattung: Viele Lehrkräfte geraten nach den Ferien in einen Post-Holiday-Blues. Gibt es eine Strategie, um positiver zu starten? Dirk von Gehlen: Ich komme aus dem Ruhrgebiet, dort gibt es den Spruch „Woanders ist auch scheiße“. Selbst wenn es anders wirken mag: Es läuft auch anderorts nicht immer alles sonnig. Aber vielleicht geht es auch gar nicht so sehr darum, welche Karten du auf der Hand hast – sondern eher darum, wie du mit dem Blatt spielst, das du bekommen hast. mobile.schule: Einige erleben es bereits, andere ahnen es: KI wird das Bildungssystem vom Kopf auf die Füße stellen. Wie kann ich als Lehrkraft einen guten Umgang mit den Veränderungen finden? Dirk von Gehlen: Ich mag das Wort Veränderungen in diesem Zusammenhang nicht. Ich ersetze es immer durch das Wort „Leben“. Denn Leben ist nichts anderes als Veränderung. Und wenn ich deine Frage in diesem Sinn umformuliere, also: „Wie kann ich einen guten Umgang mit dem Leben finden?“, dann ergibt sich die Antwort fast von allein: „Nimm es an, umarme es! Versuche es zu gestalten“. Das gilt auch für die Veränderungen durch KI. mobile.schule: Für einige Menschen scheint das Glas immer halb leer zu sein – kann man Optimismus lernen? Dirk von Gehlen: Man muss. Karl Popper hat gesagt: Optimismus ist Pflicht. Gerade wenn es dein Job ist, kommende Generationen auf ein gutes Übermorgen vorzubereiten, solltest du die Überzeugung ausstrahlen, dass es so ein Übermorgen auch geben kann und dass wir es gestalten können. Eine optimistische Lebenshaltung erkenne ich in der Bereitschaft, sich für eine bessere Zukunft zu engagieren. Das ist eine Fähigkeit, die man lernen kann – und muss. Die wichtigste Lektion dabei: Selbstwirksamkeit schafft Zuversicht. Deshalb versuche ich immer, mir Räume zur Selbstwirksamkeit zu bauen. Vielleicht ist das ohnehin die vornehmste Aufgabe, die Bildung haben kann. mobile.schule: Umfragen zeigen, dass junge Menschen mit Sorge an die Zukunft unserer Gesellschaft denken. Könnte Schule ein Ort sein, der sie in ihrer Zuversicht stärkt – und wenn ja, wie? Dirk von Gehlen: Auf keinen Fall. Schule muss der Ort sein, an dem sie Leistungsdruck erfahren, Inhalte stumpf auswendig lernen und an die Ungerechtig- keiten der Leistungsgesellschaft gewöhnt werden. Was hilft, um nach den Ferien optimistisch in das neue Schuljahr starten zu können und bei allen neuen Herausforderungen eine gute, konstruktive Lernatmosphäre zu schaffen? Der Autor und Journalist Dirk von Gehlen im Interview mit mobile.schule MAGAZIN. Dirk von Gehlen (© Natalia Mamaj) Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Director ThinkTank beim SZ-Institut der Süddeutschen Zeitung. Er schreibt unter anderem über digitalen Wandel, KI und Kommunikation und hat mehrere Bücher zu diesen Themen veröffentlicht.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==