47 INTERVIEW I Das hat uns auch nicht geschadet. Auf keinen Fall dürfen sie mit so unsinnigen Dingen wie Gestaltungsfreude, Motivation oder Selbstwirksamkeit in Kontakt kommen – und was unbedingt zu vermeiden ist, ist Humor oder gar Ironie! mobile.schule: Du hast dich an vielen Stellen bereits als klarer Gegner eines Handyverbots an Schulen ausgesprochen und bist gegen ein SocialMedia-Verbot für Jugendliche. Wie könnten Lehrkräfte digitale Medien und Kommunikationskanäle nutzen, um positive Erfahrungen zu stärken? Dirk von Gehlen: Ich bin gegen die bewahrpädago- gische Haltung, die Schülerinnen und Schüler vor allem als klein, schützenswert und wenig fähig betrachtet. Ich glaube, der beste Schutz besteht darin, dass sie gestärkt werden. Die Kinderrechtskonvention basiert auf Schutz, Teilhabe und Befähigung. Ich finde, wir sollten Teilhabe und Befähigung nicht immer vergessen – und ganz sicher sollten wir nicht nach staatlichen Regeln rufen, wenn wir auch Lösungen im gegenseitigen Umgang finden können. Das ist anstrengend und kostspieliger als die populistische Forderung nach einem Verbot. Da ich aber verstehe, dass Verbote fordern gut funktioniert, erscheint demnächst ein Buch von mir, das „Social-Media-Verbot? Verbieten!“ heißt. Neuerscheinung Die Debatte um Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche greift zu kurz. Dirk von Gehlen zeigt, warum Verbote von konstruktiven Lösungen ablenken – und warum wir nicht die Kinder drangsalieren sollten, sondern die Big-Tech-Unternehmen. Das Buch eröffnet einen Perspektivwechsel: weg von Scham und Ohnmacht gegenüber der Macht der Algorithmen, hin zu Aufklärung, Selbstwirksamkeit und demokratischem Optimismus. Dirk von Gehlen: Social Media verbieten? Verboten! Ein Plädoyer für digitale Demokratie und Medienkompetenz. Rheinwerk Verlag, Bonn. Erscheint am 8. September 2026.
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==