14 Die eigentliche Frage lautete plötzlich nicht mehr: Was fehlt uns noch? Sondern: Wie soll das alles gleichzeitig gelingen? In dieser Situation fiel mir die zentrale These des Buchs „Weniger macht Schule“ von Benedikt Wisniewski und Barbara Gottschling ein: Schulentwicklung gelingt nicht nur durch das Hinzufügen neuer Maßnahmen, sondern durch das bewusste Weglassen. Dieser Gedanke hat meinen Blick verändert. In meiner Arbeit als Referentin und Moderatorin in der Deutschen Akademie für Pädagogische Führungskräfte (DAPF) der TU Dortmund habe ich diesen Impuls mit Lehrkräften und Schulleitungen aus unterschied- lichen Schulformen weitergedacht. Besonders spannend war dabei: Viele berichteten von sehr ähnlichen Belastungserfahrungen, hatten aber auch überraschend konkrete Ideen, was man weglassen könnte (siehe Info-Box). Den Tag der offenen Tür streichen? Ein Beispiel, das in mehreren Gruppen diskutiert wurde, war der Umgang mit dem Tag der offenen Tür. Die Idee, diesen klassischen ressourcenintensiven Großtermin abzuschaffen und stattdessen individuelle Beratungsmöglichkeiten anzubieten, beschrieben viele als entlastend und qualitativ gewinnbringend. Andere sahen jedoch keine Möglichkeit, darauf zu verzichten, weil sie mit benachbarten Schulen konkurrierten. Das macht deutlich, dass jede Schule ihren eigenen De-Implementierungsprozess anstoßen muss. Dabei geht es nicht darum, noch effizienter zu werden oder sich noch besser zu organisieren, sondern anders zu entscheiden. Den Impuls dafür gibt eine einfache, aber unbequeme Frage: Was könnten wir weglassen, ohne schlechter zu werden? Diese Frage markierte für das Max-Born-Berufskolleg den Einstieg in die De-Implementierung. Nicht als I SCHULENTWICKLUNG WIE DE-IMPLEMENTIERUNG SCHULEN ENTLASTET Es war einer dieser typischen Tage: Mehrere E-Mails im Postfach, eine Lehrkräftekonferenz am Nachmittag, parallel liefen die Vorbereitungen für eine Projektwoche, und irgendwo dazwischen standen noch der nächste Beratungstermin und mein eigener Unterricht an. Nichts davon war überflüssig. Im Gegenteil: Jede einzelne Aufgabe hatte ihre eigene Berechtigung. Und genau das war das Problem. Simone Holl (© Nils Aders/MBBK) Simone Holl ist Schulleiterin des Max-Born-Berufskollegs in Recklinghausen. Sie setzt sich für eine nachhaltige Schulentwicklung ein, die Entlastung und Qualität verbindet. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf De-Implementierung – dem bewussten Weglassen wenig wirksamer Routinen.
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