15 Sparprogramm, sondern als bewusste Strategie: Weniger tun, um das Richtige besser zu machen. Wir haben das Thema als Schulentwicklungsprozess angelegt. Der erste Schritt war bewusst einfach – wir haben uns diese drei Fragen gestellt: 1. Was machen wir alles? 2. Was davon ist oder war wirklich wirksam? 3. Was bindet besonders viele Ressourcen? Zum Einstieg habe ich als Schulleiterin einen Impulsvortrag gehalten. Damit habe ich zum einen die „offizielle“ Legitimation erteilt, Aufgaben zu reduzieren. Zum anderen war dies der Startschuss für das Kollegium und eine Steuergruppe aus 14 Lehrkräften, zwei Schülervertreter:innen und zwei gewählten Elternvertretungen. Gemeinsam mit der Schulleitung sollten sie im ersten Schritt Aspekte sammeln, diskutieren und anschließend priorisieren. Hilfreich war zu Beginn ein von der Abteilung Gestaltungstechnik entworfenes Plakat, das in den verschiedenen Lehrerzimmern unserer Schule für vier Wochen aushing. Schwierigkeiten und Herausforderungen Benedikt Wisniewski und Barbara Gottschling beschreiben in ihrem Buch sehr treffend die Schwierigkeiten, die der De-Implementierung häufig entgegenstehen. Während die Idee oft auf Zustimmung stößt, zeigt sich im konkreten Handeln, wie tief Routinen und Überzeugungen im schulischen Alltag verankert sind. Typische Aussagen sind: „Das haben wir schon immer so gemacht“, „Die anderen erwarten das von uns“ oder „Das könnte doch wichtig sein.“ De-Implementierung greift in etablierte Abläufe ein, stellt gewachsene Strukturen infrage und kann sogar das berufliche Selbstverständnis von Lehrkräften tangieren. Psychologische Mechanismen begünstigen häufig ein Festhalten am Bestehenden. Hinzu kommen strukturelle und kulturelle Hürden im System Schule. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass De-Implementierung nicht allein durch rationale Analyse gelingt. Sie erfordert einen gestalteten Prozess, der Kommunikation, Transparenz, Bestärkung und Beteiligung in den Mittelpunkt stellt. Entscheidend ist, Ziele klar zu formulieren, mögliche Widerstände frühzeitig zu antizipieren und Räume für Austausch und gemeinsame Entscheidungsfindung zu schaffen. Unser weiterer Prozess Wir stehen noch relativ am Anfang: Die Steuergruppe der Schule hat in der Sammlung auf den Plakaten Elemente identifiziert, die wir genauer anschauen werden. Für eine größere Beteiligung ist im Herbst das Format „Borns Salon“ geplant, in dem zu den interessierten Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler, Eltern und Betriebsvertreter:innen eingeladen sind, die nächsten Schritte zu planen. Quellen: • Benedikt Wisniewski, Barbara Gottschling: Weniger macht Schule. Wie De-Implementierung schulische Freiräume schafft. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2025. • Beitrag über den De-Implementierungsprozess auf der Website des Max-BornBerufskollegs: https://www.max-born-berufskolleg.de/de-implementierungam-max-born-berufskolleg-mut-zum-weglassen-raum-fuer-das-wesentliche/ Info-Box Beispiele aus der Praxis Veranstaltungen neu denken • Projektwoche auf drei Tage reduziert • Europawoche auf einen Kompakttag gebündelt Konferenzen entschlacken • Lehrerkonferenz teilweise online • Notenkonferenzen hybrid • Informationen per Podcast statt langer Sitzungen • Sitzungen der erweiterten Schulleitung nur noch 14-tägig statt wöchentlich Routinen vereinfachen • Schulweite zentrale Nachschreibtermine • Jährliche Sicherheitsbelehrungen digital Digitalisierung bewusst einsetzen • Reduktion an Kommunikations- und Lernmanagementtools (z.B. wurden Moodle, Dropbox, WhatsApp, Outlook, iServ, WebUntis, Teams, Teams-Chat reduziert auf Outlook und Teams). • Prozessbeschreibungen der Schule können über KI-gestützte Systeme (KI-BOT) abgefragt werden. Beratung statt Großevent • Der Tag der offenen Tür wurde ersetzt durch individuelle Beratung durch die Schulleitung. Für Interessierte: Simone Holl bietet beim DAPF am 19. November 2026 erneut ein Seminar zum Thema „De-Implementierung: Mut zum Weglassen“ an. SCHULENTWICKLUNG I
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