13 #twlz: Vom Wandel der Räume In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Taktung unserer Kommunikation radikal beschleunigt. Es sind neue Räume und virtuelle Heimaten entstanden. Manchmal vergessen wir dabei, wie flüchtig und vulnerabel gerade die virtuellen Heimaten sein können. Das Ende des Twitterlehrerzimmers (#twlz) führte uns diese Vergänglichkeit schmerzhaft vor Augen. Der Verlust einer Gemeinschaft Wenn ich heute auf diese Entwicklung blicke, tue ich das mit einer gewissen Wehmut. Das #twlz war mehr als ein Hashtag – es war ein kollektives Gehirn. Hier trafen sich Lehrkräfte mit echtem Growth Mindset zum unkomplizierten Austausch. Dass dieser zentrale Ort weggebrochen ist, schmerzt mich und viele in der Bildungscommunity. Die einstige Leichtigkeit, mit der man „alle“ erreichte, ist einer mühsamen Zersplitterung auf Bluesky, Mastodon oder LinkedIn gewichen. Die Gefahr der Abhängigkeit Gleichzeitig war das Ende von Twitter, wie wir es kannten, eine harte Lektion in digitaler Souveränität. Es ist beängstigend zu sehen, wie schnell ein Raum, den wir als „unseren“ empfunden haben, durch einen einzigen Besitzerwechsel für private oder politische Interessen instrumentalisiert werden kann. Diese Abhängigkeit hat uns verwundbar gemacht; Jahre der Netzwerkpflege wurden schlagartig gefährdet. Die Konsequenz: Unabhängigkeit Aus dieser Erkenntnis ziehe ich Konsequenzen: die Rückbesinnung auf eigene Kanäle. Mein Fokus liegt heute auf meinem Blog und Projekten wie der Edublogparade. Wir müssen Inhalte dort verankern, wo wir selbst die Kontrolle behalten. Die Dezentralisierung ist zwar anstrengender, aber sie ist ein Schutzmechanismus. Echte Vernetzung darf nicht von der Gnade eines Plattformbetreibers abhängen. Das alte #twlz ist Geschichte, aber der Auftrag, unsere digitale Infrastruktur selbst zu schützen, bleibt. Susanne Posselt (© Andreas Stephany) Susanne Posselt ist stellvertretende Schulleiterin einer Gemeinschaftsschule. Gesunde Distanz zu den Big Tech Aber der Park wurde nicht mehr gepflegt, Unkraut und Schädlinge machten sich breit, und ich wurde auch älter. Ein paar sind weitergezogen in einen anderen Park mit höheren Mauern und einem anderen Besitzer. Technisch und pädagogisch kam für mich nur Mastodon in Frage, auch weil ich persönlich insgesamt den Vorsatz der „Demilliardärisierung“ gefasst habe. Eine gesunde Distanz zu Tech-Firmen ist wichtiger als alle kurzfristigen schulischen Gewinne. Es gibt bei Mastodon weniger Leute als damals bei Twitter, aber dafür haben sich alle diese bewusst so entschieden. Illustration: © iStockphoto.com/DrAfter123 NETZWERK I
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==