mobile.schule MAGAZIN 02/26

7 LEHRKRÄFTEGESUNDHEIT I Das hat nichts mit Kuschelpädagogik zu tun. Es geht um Selbstwirksamkeit. Ich bleibe eher gesund, wenn ich erlebe, dass meine Arbeit bei den Kindern ankommt, dass Resonanz entsteht und nicht nur Konflikte. Gute Beziehungen helfen Kindern, aber sie helfen auch uns Lehrkräften. mobile.schule: Viele Lehrkräfte starten motiviert ins neue Schuljahr und fühlen sich wenige Wochen später schon wieder überlastet. Was empfehlen Sie? Ann-Marie Backmann: Es ist ja so ein Phänomen, dass sich Lehrkräfte zum neuen Schuljahr vornehmen: „Dieses Jahr wird alles anders“. „Ab jetzt achte ich auf meine Grenzen“ oder „Ich mache ganz tollen Unterricht“. Nach ein paar Wochen aber merkt man, dass sich gar nichts geändert hat, weil wir selbst es natürlich sind, die losgehen müssten. Der erste Schritt ist also, zu erkennen, dass man überhaupt Einfluss hat. Viele glauben, sie bräuchten eine andere Klasse, eine andere Schulleitung oder eine andere Schule. Aber zunächst sollte man sich fragen: Wofür mache ich das eigentlich? Nicht nur rational, sondern emotional. Wofür stehe ich morgens auf und fahre in die Schule? Das wird zu einem Anker. Wenn ich das klar habe, kann ich bewusster entscheiden, was ich tue und was nicht. Dann fällt es auch leichter, Grenzen zu setzen und gelegentlich „Nein!“ zu sagen. mobile.schule: In Ihrem Buch spielen die Begriffe „Mental Load“ und „Emotional Load“ eine wichtige Rolle. Wo liegt der Unterschied? Ann-Marie Backmann: „Mental Load“ kennen inzwischen viele. Gemeint ist nicht nur die Menge an Aufgaben, sondern die Verantwortung dafür. Lehrkräfte tragen ständig Verantwortung und können vieles nur schwer delegieren. Weniger beachtet wird die emotionale Arbeit, die wir täglich leisten. Wir denken ständig darüber nach, wie andere reagieren könnten, wer Unterstützung braucht, wer mit wem Schwierigkeiten hat. Gleichzeitig stellen wir unsere eigenen Gefühle oft hinten an. Das rächt sich irgendwann – wir sind eben keine Maschinen. mobile.schule: Woran erkennen Lehrkräfte, dass sie gefährdet sind? Ann-Marie Backmann: Ein Warnsignal ist, wenn die eigene Stressregulation nicht mehr funktioniert. Manche berichten, dass sie in der Schule noch freundlich und zugewandt sind, zu Hause aber wegen Kleinigkeiten die Beherrschung verlieren. Weitere Hinweise sind Entscheidungsmüdigkeit, emotionale Abstumpfung oder Schlafprobleme. Viele liegen nachts wach, denken an die Schule oder schreiben sich ständig neue Aufgaben auf. Solche Signale sollte man ernst nehmen. mobile.schule: Sie beschreiben zehn Strategien gegen Überlastung. Welche drei würden Sie besonders hervorheben? Ann-Marie Backmann: Die erste ist Selbstreflexion. Viele Belastungen entstehen durch eigene Überzeugungen und Erwartungen. Deshalb lohnt es sich, die eigene „Landkarte“ besser kennenzulernen. Die zweite ist Teamarbeit. Das traditionelle Einzelkämpfertum macht viele Lehrkräfte krank. In guter Zusammenarbeit steckt ein enormes Entlastungspotenzial. Man muss nicht alles allein lösen. Die dritte Strategie ist, Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler zurückzugeben. Kinder sind keine

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