30 I DIGITALISIERUNG Umso wichtiger wird eine Schule, die Kinder von Anfang an bewusst zum Denken, Hinterfragen und Überarbeiten anregt und damit dem von Falck beschriebenen Trend zur Oberflächlichkeit entgegenwirkt. KI-Gedichte mit Lerneffekt Ein interessantes Beispiel ergab sich bei einer Unterrichtsreihe zu Sommergedichten. Diese wurde be- gleitet von Frau Dr. Carolin Donhauser-Buchmaier, die uns im Rahmen ihrer Tätigkeit zum Schulversuch KI@school unterstützte. Die Kinder schrieben zunächst eigene Prompts und ließen sich daraus Gedichte von einer KI erzeugen. Gemeinsam wurde dann versucht, diese KI-Texte sprachlich zu verbessern oder kreativ weiterzuentwickeln. Dabei zeigte sich über- raschend schnell ein zentrales Problem: Viele der KIgenerierten Gedichte wirkten bereits so „fertig“, glatt und vollständig, dass Kinder kaum noch Ansatzpunkte fanden, um eigene Ideen einzubringen oder Formulierungen weiterzuentwickeln. Die Texte ließen wenig Raum für echte Überarbeitung. Eigene Schülertexte dagegen boten deutlich mehr Möglichkeiten zum gemeinsamen Nachdenken, Verändern und Verbessern. Daraus entstand ein wichtiger pädagogischer Schluss: KI kann im Grundschulbereich sehr hilfreich sein – insbesondere beim Strukturieren, Ideenfinden oder Überarbeiten eigener Texte. Die eigentliche Textproduktion durch KI sollte jedoch gerade bei jüngeren Kindern eher zurückhaltend eingesetzt werden. Entscheidend bleibt, dass Kinder selbst schreiben, formulieren, verwerfen und weiterdenken. Lehrkräfte in der Verantwortung Damit verbunden wird auch die Rolle der Lehrkraft wichtiger. Lehrkräfte sollten lernen, KI-Systeme gezielt pädagogisch zu steuern und nicht einfach offene Chatbots unreflektiert einzusetzen. Sinnvoll können beispielsweise speziell angelegte Chat-Assistenten sein, die Kinder beim Denken unterstützen, Rückfragen stellen oder Hinweise geben, ohne sofort perfekte Lösungen zu liefern. Viele KI-Plattformen sowie staatliche und regionale Fortbildungsinstitute bieten hierzu inzwischen praxisnahe Fortbildungen für Lehrkräfte an. Gerade deshalb braucht es Lehrkräfte mehr denn je. Nicht als reine Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter:innen, Moderator:innen und pädagogische Bezugspersonen. Verantwortungsvoller KI-Unterricht bedeutet genau das: Kinder nicht mit einer Technologie, die ihre Welt dauerhaft prägen wird, alleinzulassen. Quellen: • Kirstin van der Meer: „Gestalten statt verbieten – KI gehört in die Grundschule“, Deutsches Schulportal, 27. November 2025 https://deutsches-schulportal.de/meinung/kristin-van-der-meer-gestaltenstatt-verbieten-ki-gehoert-in-die-grundschule/ • Joscha Falck: „Expansives und defensives Lernen in Zeiten von KI“, JoschaFalck-Blog vom 9. Juli 2025 https://joschafalck.de/expansives-lernen/ • Joscha Falck: „Wir müssen erkennen, dass sich das Lernen außerhalb der Schule durch die KI-Revolution ändert und noch drastisch ändern wird.” Interview für Plan BD vom 6. Februar 2025 https://magazin.forumbd.de/lehren-und-lernen/joscha-falck-interview-kipruefungen/ Anmerkung der Redaktion: Auf den Seiten 18-25 finden Sie Tipps zu KI-Veranstaltungen. Anzeige Ideeller Träger Schirmherrschaft didacta-messe.de Veranstalter Hannover 23.-27. Februar 2027 Moin Bildung!
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