mobile.schule MAGAZIN 02/26

29 ihre Sprache. Aus einer klassischen Schreibaufgabe wird ein hochgradig aktivierender Sprachprozess. Auch Personenbeschreibungen erhalten dadurch eine neue Bedeutung. Früher verschwanden viele Schülertexte nach der Korrektur in Mappen. Heute können Kinder anhand KI-generierter Bilder unmittelbar überprüfen, ob ihre Beschreibung tatsächlich eindeutig und treffend war. Passt die Haarfarbe? Wurde die Kleidung präzise genug beschrieben? Entsteht wirklich die gewünschte Figur? Sprache bekommt eine unmittelbare Funktion. Chancen und Risiken Kristin van der Meer, die sich intensiv mit KI in der Grundschule beschäftigt, betont deshalb, dass Kinder keine Abschottung, sondern eine pädagogisch begleitete Einführung in KI benötigen. Gerade Grundschulkinder seien häufig überraschend kritisch im Umgang mit KI-Systemen. Sie hinterfragen Ergebnisse, erkennen Fehler und diskutieren über Wahrheitsgehalt und Glaubwürdigkeit. Eine Beobachtung, die ich nur bestätigen kann. Und genau darin liegt eine enorme Chance. Denn KI zwingt Schule letztlich dazu, sich stärker auf jene Kompetenzen zu konzentrieren, die ohnehin zentral werden: kritisches Denken, Sprachfähigkeit, Reflexion, Kreativität und Problemlösen. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: KI kann Bildungsungleichheiten sowohl verstärken als auch abfedern. Kinder aus sprachstarken oder bildungsnahen Familien lernen häufig bereits zuhause, digitale Werkzeuge sinnvoll zu nutzen. Andere Kinder bleiben mit sozialen Medien, Videos und KI-Systemen dagegen weitgehend sich selbst überlassen. Schule kann hier ein wichtiger Ausgleich sein – nicht durch unkritische Begeisterung, sondern durch begleitetes Lernen. Natürlich entstehen auch Risiken. Texte lassen sich schnell erzeugen, ohne sie wirklich zu verstehen. Joscha Falck spricht hier von einer Haltung der „AI Convenience“ – der Versuchung, sich mit schnellen und einfachen Ergebnissen zufriedenzugeben. Sabrina Seyberth (© privat) Sabrina Seyberth leitet die Grundschule Opfenbach im Allgäu, die im vergangenen Jahr für ihre innovative Gestaltung von digitaler Bildung von Bitkom als Smart School ausgezeichnet wurde. Seit 2019 arbeitet die Schule in allen Klassenstufen mit digitalen Endgeräten. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wurde ab dem Schuljahr 2024/2025 fest im Mediencurriculum der Schule verankert und wird seitdem pädagogisch begleitet. DIGITALISIERUNG I Illustration: © iStockphoto.com/Irina Nurtdinova

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