34 achdem Bremen bereits vor Jahren alle Kinder mit Tablets ausgestattet hat, die Lehrkräfte natürlich inbegriffen, folgt nun Niedersachsen. Alle Kinder ab Klasse 7 und deren Lehrkräfte haben jetzt die Möglichkeit, ihren Unterricht mit digitalen Endgeräten zu verändern. „Nichts Neues“, denken viele. Andere bekommen Stressflecken. Denn die digitalen Medien und die Arbeit damit erreichen nun auch all die Schulen, die bislang gar keine oder nur kleine Schritte in diesem Feld gegangen sind, aus welchen Gründen auch immer. Die Sinnhaftigkeit des Vorgehens überhaupt, die Art und Weise der Kommunikation, der Zeitplan – man kann natürlich alles wunderbar kritisieren und immer ein Haar in der Suppe finden. Digitalisierung der Schulen ab jetzt auf Verordnung Tatsache ist aber, dass der große Hype abgeebbt ist und viele Lehrkräfte und Schulen Rückschritte im Vergleich zu den bewegten Corona-Jahren hinlegen. Dafür gibt es Gründe und Entschuldigungen. Vorwürfe sind hier nicht angebracht. Nun aber steht in Niedersachsen (und ich bin sicher, andere Bundesländer werden nachziehen) der große Wurf bevor, top to bottom sozusagen, politisch gewünscht und irgendwie über alle Köpfe hinweg. Ja! Wie denn sonst? Der andere Weg war eben nur in wenigen Schulen erfolgreich. Zeit als Erfolgsfaktor Die Erkenntnis, dass ein Tablet in vielen Schulen als Heftersatz genutzt und die didaktischen Möglichkeiten nicht ansatzweise ausgeschöpft werden, ist allgegenwärtig. Die Politik hat nun entschieden. Das stößt in Hinblick auf die angespannte Lage und der sehr großen Frustration unter vielen Lehrkräften auf Gegenwehr. Ich sage: Gebt dem Ansatz eine Chance und fordert das ein, was nun wichtig ist: Zeit! Zeit zum Experimentieren, Zeit, Fehler machen zu dürfen, Zeit zur Evaluation und Anpassung von Konzepten, Zeit zum Hospitieren sowie Zeit für Fort- und Weiterbildung. Ängste abbauen, Teams bilden, Netzwerke aufbauen, ich könnte diese Liste noch seitenweise so weiterführen. Ein erfolgreiches Projekt (und als dieses wird der neue Vorstoß in der Presse geführt) benötigt motivierte Menschen, die einen Wert darin sehen und stressfrei diese Zusatzarbeit bewältigen mögen, ohne von ihr überwältigt zu werden. Kontrolliertes Weglassen schafft Platz für zeitgemäße Aufgaben Es braucht nun Schulleitungen und kollegiale Ideen, um in dem defizitären System, in dem wir uns nun einmal bewegen, Mittel und Wege zu finden, diese Zeit freizuschaufeln. Eine erste Idee: Schulen könnten die zwei Wochen vor den Sommerferien nutzen, in denen in den meisten Schulen vielerorts nach wie vor die DVD-Player rauchen und Schüler:innen nur noch Beschäftigungsmaßnahmen auf dem Stundenplan haben. Das habe ich als aktiver Lehrer schon als verschwendete Zeit empfunden, die man sicher besser nutzen könnte. Und selbstverständlich werden andere Dinge weichen müssen. Themen, Aufgaben also, die weniger wichtig sind, als unsere Kinder auf diese wilde Welt vorzubereiten, die an uns vorbeizufliegen scheint. Ich sehe eine Chance und bin auch nach vielen Jahren in der Bildungswelt noch optimistisch. Ja, die Digitalisierung ist kein Heilsbringer. Aber: Digitalisierung und das Leben in der Digitalität bestimmen seit Jahren die Normalität im Leben unserer Kinder. Wir sind es ihnen schuldig, sie darauf vorzubereiten, auch wenn es ein steiniger Weg ist. „DIGITALISIERUNG VON OBEN – EINE GUTE IDEE, WENN MAN ES RICHTIG MACHT“ N Andreas Hofmann Gründer und Geschäftsführer von mobile.schule Andreas Hofmann (© privat) I KOMMENTAR
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==