32 I INTERVIEW mobile.schule: Viele Pädagog:innen befürchten, dass Kinder und Jugendliche bestimmte Kompetenzen nicht mehr erwerben, weil sie diese an die KI auslagern. Wie sehen Sie das? Prof. Ute Schmid: Zunächst glaube ich als KI- Forscherin fest daran, dass wir auch im Bildungs- bereich KI-Systeme bauen und soziotechnisch so einbetten können, dass es zum Wohle der Menschheit ist. Ich sehe aber auch die Probleme. Aus der Kognitionsforschung wissen wir seit langem, dass viele Kompetenzen nur durch Selbertun erworben werden können. mobile.schule: Was können wir gegen diesen Kompetenzverlust tun? Prof. Ute Schmid: Es geht immer um zwei Dinge: Die soziotechnische Einbettung und die Gestaltung der Systeme. Wenn ich als Schule ignoriere, dass Kinder und Jugendliche Chatbots nutzen, und wenn ich dies nicht mit didaktischen und pädagogischen Konzepten begleite, dann führt das zu massiven Lücken im Kompetenzerwerb. Probleme entstehen auch, wenn wir in der Schule nur Chatbots von der Stange nehmen. Die KI bietet für den Bildungsbereich schon seit Jahrzehnten intelligente Tutorsysteme. Diese können Fehlkonzepte diagnostizieren und individualisiertes lernförderliches Feedback geben. mobile.schule: Was sollten Kinder in Bezug auf KI denn schon in der Grundschule lernen oder können? Prof. Ute Schmid: Als Rahmenmodell nehme ich gerne das Dagstuhl-Dreieck. Es besagt: Ich kann mich nicht auf die Anwendungs- und Nutzungskompetenz reduzieren, sondern brauche immer drei Perspektiven: „Wie funktioniert das?“, „Wie nutze ich das?“ und „Wie wirkt das?“. Ich würde immer mit der „Wie funktioniert das?“-Perspektive anfangen. Zum Beispiel kann man Kindern das Grundkonzept von Maschinellem Lernen als Generalisierung über Trainingsbeispiele mit einfachen, analogen Spielen Prof. Ute Schmid ist Leiterin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg und geschäftsführende Direktorin des Bamberger Zentrums für Künstliche Intelligenz. Neben ihrer Forschung setzt sie sich seit vielen Jahren für die Informatik- und insbesondere KI-Bildung an Schulen ein, engagiert sich in der Lehrkräftefortbildung und entwickelt Unterrichtsmaterialien. Schon 2006 hielt sie ihren ersten Vortrag an der Kinderuniversität Bamberg zum Thema KI: „Wer ist schlauer, mein Computer oder ich?“ Interview mit Frau Prof. Ute Schmid KI IN DER GRUNDSCHULE RICHTIG EINBETTEN UND GESTALTEN Prof. Ute Schmid (© Jürgen Schnabel) Prof. Ute Schmid ist Leiterin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg und geschäftsführende Direktorin des Bamberger Zentrums für Künstliche Intelligenz.
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