Kaufleute 2023 - EFZ 3. LJ SB

Für Lehrpersonen Kaufleute 2023 – EFZ 3. Lehrjahr Dr. Louis Maag Roland Gschwend Prof. Dr. Roman Capaul Frederik Martin Susanne Weiss Antonia Payr-Eppisser In Kooperation mit Pearson und Lernplattform365

2 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Themenbereich 2: Individuelle Lebensgestaltung Lernfeld 2a: Soziale Beziehungen & Wohnen Anwenden K3 T2a.6 Sie begründen, welche Wohnform für ihre in naher Zukunft eintretende Lebenssituation geeignet ist. Anwenden K3 a4.bs4 Sie beurteilen verschiedene Wohnungsangebote aufgrund ihrer Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten. Verstehen K2 T2a.7 Sie erklären das Wohnungsabnahmeprotokoll und die Mängelliste. Synthese K5 T2a.8 Sie beurteilen einfache Fälle aus dem Mietrecht. Anwenden K3 T2a.9 Sie arbeiten an ihrem persönlichen Portfolio. Die Firma «Hidelike» hat eine Praktikumsstelle für Informatikstudierende ausgeschrieben, da die Funktionalität und die Zugriffsgeschwindigkeit der App verbessert werden sollen. Von den Bewerbenden wurde jetzt eine Person für sechs Monate eingestellt. Melissa und Marc planen diese Unterstützung für einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, damit sie selbst entlastet werden. Die Wohnungssituation für diese neue Mitarbeiterin ist jedoch schwierig, da sie aus dem Ausland kommt und bezahlbare Wohnungen schwer zu finden sind. Melissa ist glücklicherweise bekannt mit Elena, die in unmittelbarer Nähe wohnt. Sie hält sich viele Wochen im Jahr beruflich im Ausland auf und sucht für ihr grosses Zimmer mit Balkon eine Untermieterin oder einen Untermieter. Melissa trifft mit Elena die Abmachung, dass dieses Balkonzimmer regelmässig an Mitarbeitende von «Hidelike» untervermietet wird. «Hidelike» wird den Mietzins übernehmen. Elena ist hocherfreut, dass die Wohnung genutzt wird, in ihrer Abwesenheit nicht leersteht und sie nicht länger selbst Mitbewohner/-innen suchen muss. Aufgabe 1. Zu Beginn dieser Abmachung sind alle drei Parteien zufrieden. Melissa und Marc können der neuen Praktikantin eine Wohnmöglichkeit anbieten. Elena hat eine Untermieterin, für Nachfolge ist ebenfalls gesorgt und die Praktikantin muss nicht lange ein bezahlbares Angebot auf einem ausgetrockneten Wohnungsmarkt suchen. Überlegen Sie sich, zu welchen Schwierigkeiten es jedoch nach einiger Zeit kommen könnte. Denken Sie dabei an alle drei Parteien dieser Regelung und notieren Sie sich stichwortartig mindestens je zwei Punkte. Melissa und Marc Elena Praktikantin –– Evtl. bricht die Praktikantin ihr Praktikum ab. Dann zahlt «Hidelike» die Miete und das Zimmer wird nicht genutzt. –– «Hidelike» müsste als Vertragspartei für die Kosten von möglichen Schäden der Praktikantin aufkommen. –– Vielleicht kommt Elena nicht mit den Praktikant/- innen von «Hidelike» zurecht. –– Elena wählt die Untermieter/-innen nicht selbst aus. –– Möglicherweise kommt die Praktikantin nicht mit Elena zurecht. –– Die Praktikantin möchte evtl. woanders wohnen, in einem anderen Stadtteil oder mit anderen Menschen zusammen. Leistungsziele

3 Lernfeld 2a: Soziale Beziehungen & Wohnen 2.1 Heimat Dass wir emotionale Bindungen zu anderen Menschen aufbauen, ist verständlich. Dies ist jedoch auch möglich zu der eigenen Wohnung oder zu einer Stadt, einer Gemeinde, einer Region. Wenn Menschen ihr Leben lang an ein und demselben Ort leben, sind sie dort beheimatet und fühlen sich dort zuhause. In der heutigen Zeit in der globalisierten Welt sind die Menschen mobiler und wechseln oft ihren Wohnort. Hierbei stellen sich folgende Fragen: –– Zieht dann der Heimatbegriff mit um? –– Ist Heimat dort, wo man aktuell wohnt … –– … oder eher doch dort, wo man geboren ist? –– … vielleicht dort, wo man aufgewachsen ist und seine Kindheit verbracht hat? –– Was macht diese Orte zu einem Zuhause? –– Wofür und wie entwickeln wir Heimatgefühle? Das Gefühl der Ortsverbundenheit entsteht durch einen besonderen Mix: aus der Kombination eines längeren Aufenthalts, eines sozialen Netzes an Beziehungen und der Beschaffenheit eines Ortes, wie z. B. die Naturumgebung, die Erreichbarkeit von Erholungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten sowie die kulturellen Aspekte. Heimatliche Gefühle sind vielen Menschen wichtig, denn sie vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit. Manche kehren zur Familiengründung oder im Pensionsalter wieder zu ihren Wurzeln an ihren Ursprungsheimatort zurück. Ist die Schweiz unsere Heimat, weil wir hier leben und wohnen? Aufgabe 1. Machen Sie sich Gedanken zum Begriff «Heimat». Vervollständigen Sie das nachfolgende Mindmap mit eigenen Gedanken und Vorstellungen zu den verschiedenen Faktoren, die Ihrer Meinung nach Heimat ausmachen. Im Haus ohne Begriff können Sie einen eigenen Faktor für sich eintragen, der Ihnen ausserdem noch wichtig erscheint. Gewichten Sie diese Faktoren von 1 (= unwichtig) bis zu 5 (= sehr wichtig). Tauschen Sie sich anschliessend mit Ihrer Banknachbarin bzw. mit Ihrem Banknachbarn aus und notieren sich stichwortartig Auffälligkeiten von diesem Vergleich. Heimat

4 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Familie Individuelle Lösungen Gewichtung: Kultur Individuelle Lösungen Gewichtung: Natur Individuelle Lösungen Gewichtung: Freunde Individuelle Lösungen Gewichtung: Kindheit Individuelle Lösungen Gewichtung: Gesellschaft Individuelle Lösungen Gewichtung: Partner/-in Individuelle Lösungen Gewichtung: Sicherheit Individuelle Lösungen Gewichtung: Individuelle Lösungen Gewichtung: Oftmals ist im Berufsleben die Mobilität der Arbeitnehmenden wichtig, um sich weiterentwickeln zu können und die berufliche Karriere zu fördern. Eventuell verändert sich die Partnerin oder der Partner örtlich und es steht die Entscheidung an, mitzugehen oder eine Fernbeziehung zu führen. Manche Menschen wagen den grossen Schritt und wandern sogar in ein anderes Land oder auf einen anderen Kontinent aus. Dies kann eine grosse Bereicherung darstellen. Jedoch hängt der Erfolg stark von der individuellen Vorbereitung, den recherchierten Informationen, einer sorgfältigen Planung und einem realistischen Blick ab. Man sollte sehr anpassungsfähig und hoch motiviert sein, damit dieser neue Lebensabschnitt gelingen wird.

5 Lernfeld 2a: Soziale Beziehungen & Wohnen Aufgabe 2. Machen Sie sich Gedanken zum Thema Auswandern und halten Sie Ihre Überlegungen fest. a) Notieren Sie stichwortartig die Vorteile und Nachteile einer Auswanderung. Kriterien Vorteile Nachteile Soziales –– Neue Kultur und Lebensweisen –– Andere Menschen kennenlernen –– Neubeginn –– Trennung von Familie und Freunden –– Mögliche Einsamkeit zu Beginn –– Heimweh, Sehnsucht –– Kulturschock, Unsicherheiten Sprache –– Lernen einer neuen Sprache –– Verständigungsschwierigkeiten Lebensqualität –– Angenehmeres Klima –– Leben, wo andere Urlaub machen –– Evtl. schlechtere Gesundheitsversorgung und Absicherung im Sozialsystem –– Stress durch bürokratische Hürden Finanzen –– Niedrigere Lebenshaltungskosten –– Niedrigere Löhne –– Umzugskosten –– Verlust der Rentenabsicherung in der Schweiz Alltagsbewältigung –– Spannende Herausforderung –– Neugier und Motivation, Neues zu entdecken –– Wohnungssuche –– Jobsuche –– Aufbau von Routinen –– Netzwerk neu aufbauen b) Überlegen Sie, ob und unter welchen Umständen oder Voraussetzungen Sie das Land verlassen würden. Individuelle Lösung c) In welches Land würden Sie persönlich auswandern? Warum kommt dieses Land für Sie infrage? Individuelle Lösung

6 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen 4. Wer umzieht, um in einem anderen Kanton weniger Steuern zahlen zu müssen, hat teilweise grosse finanzielle Vorteile. Diskutieren Sie zu zweit, was Ihrer Meinung nach wohl die Nachteile für die Menschen sein könnten, die in einen Kanton mit niedriger Steuerbelastung umziehen. Notieren Sie sich die wichtigsten Überlegungen stichwortartig. Mögliche Lösung: längerer Arbeitsweg (Kosten des Pendelns), höhere Mieten/Grundstückspreise, höhere Lebenshaltungskosten, andere kulturelle Eigenheiten, anderer Dialekt, weite Entfernung zur Familie, zu Verwandten, Freunden, «Geld allein macht nicht glücklich.» usw. 2.3 Exkurs: Das Fugen-S Es stellt sich die Frage, ob es Einkommensteuer oder Einkommenssteuer heisst. Wenn Substantive (Hauptwörter) zusammengesetzt werden, wird ein neues Wort gebildet. Das sind die Substantivkomposita. Das Wort «Grundbildung» besteht aus den beiden Wörtern «der Grund» und «die Bildung». Hierbei wird dem zweiten Substantiv mehr Bedeutung zugemessen, sodass der Artikel (Begleiter) für das neu gebildete Wort sich danach richtet und das erste Substantiv lediglich eine spezifizierende Funktion übernimmt. Die Grundbildung bleibt eine Bildung, speziell ist, dass sie grundlegend ist. Erstes Wort: Substantiv Zweites Wort: Substantiv Zusammengesetztes Wort Bestimmungswort Grundwort Substantivkomposita (der) Grund (die) Bildung (die) Grundbildung (der) Ring (das) Buch (das) Ringbuch (die) Wand (die) Tafel (die) Wandtafel (der) Handel (die) Kammer (die) Handelskammer Bei diesen drei Beispielen konnten die Substantive einfach so aneinandergefügt werden. Manchmal werden jedoch Buchstaben weggelassen, z. B. das Schulzimmer (die Schule und das Zimmer), und manchmal werden Buchstaben eingefügt, z. B. das Fugen-S bei Kaufmannsladen. Aufgabe 1. a) Suchen Sie Substantivkomposita, wobei das erste Bestimmungswort auf die darauffolgende Silbe endet, und ein Fugen-S benötigt: Mögliche Lösungen: Bürg- -schafts- -vertrag Frei-/Krank-/Ho- -heits- -rechte/-anzeichen/-gebiet Abhängig-/Dankbar-/Geschicklich- -keits- -merkmale/-geste/-parcours Zwil-/Früh-/Säug- -lings- -wagen/-blumen/-kleidung Mein-/Sicher-/Wohn- -ungs- -umfrage/-kasten/-schlüssel

7 Lernfeld 2b: Persönliche Finanzen Eigen-/Wachs-/Da- -tums- -verlust/-schub/-anzeige Informa-/Spedi- -tions- -zentrum/-kauffrau Quali-/Majes- -täts- -merkmal/-beleidigung b) Wenn eine Wortzusammensetzung mit einem substantivierten Infinitiv als Bestimmungswort gebildet wird, wird oft auch ein Fugen-S verwendet (beispielsweise Wissenslücke). Bilden Sie mindestens fünf Beispiele. Mögliche Lösung: Essenszeit, Schlafenszeit, Verlaufsform, Redensart, Sehenswürdigkeit –– Generell wird das Fugen-S nicht bei zusammengesetzten Wörtern, deren Bestimmungswort ein feminines Genus hat, z. B. Weltkugel, Naturschutz, Fruchtsaft, oder der auf einen Zischlaut (-s, -sch, -ss, -st, -tz, -z) endet, z. B. Waschstrasse, Hausflur, Lastwagen, Sitzecke, verwendet. –– Ausnahme davon sind Substantivkomposita mit dem Wort Liebe, z. B. Liebeslied, Liebesbeweis oder mit dem Wort Armut, z. B. Armutsgebiet, Armutszeugnis. Schliesslich gibt es Zusammensetzungen, bei denen der Gebrauch des Fugen-S schwankt. Das betrifft neben dem Grundwort Strasse das Grundwort Steuer. Es gibt somit die Bahnhofstrasse und die Bahnhofsstrasse. Korrekt ist die Einkommensteuer (Behördensprache) und auch die Einkommenssteuer sowie die Vermögensteuer und die Vermögenssteuer. Es gibt viele Regeln, Sonderfälle und Ausnahmen beim Fugen-S, deren weitere Ausführung den Rahmen dieses Kapitels jedoch sprengen würden. 2.4 Ab wann zahlt man Einkommensteuern? Subjektiv steuerpflichtig sind grundsätzlich natürliche Personen ab Geburt, die am Jahresende einen Wohnsitz in der Schweiz, eine Liegenschaft oder ein Unternehmen haben. In dem Zeitraum bis zur Volljährigkeit werden ihre Einkommen und Vermögenswerte allerdings ihren Eltern bzw. ihrer gesetzlichen Vertretung zugerechnet. Eine Ausnahme bilden die Einkünfte aus einer Erwerbstätigkeit oder auch Ersatzeinkommen, wie z. B. der Lehrlingslohn, SUVA-Renten. Das übrige Einkommen und Vermögen wird weiterhin den Eltern zugerechnet und muss dort versteuert werden. Fiskus «Was haben Sie zu Ihrem 18. Geburtstag zu deklarieren?»

8 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Generell beginnt die vollständige Steuerpflicht mit Volljährigkeit. Es muss jede Person selbstständig Steuern zahlen, die in der Schweiz wohnhaft ist oder steuerbare Werte erwirbt, erstmals in dem Jahr, in dem sie 18 Jahre alt wird. Man ist verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung einzureichen und seine Einkünfte sowie sein Vermögen zu deklarieren, d. h. vollständig anzugeben oder offenzulegen. Aufgabe 1. Erklären Sie den Begriff Fiskus aus dem vorstehenden Bild. Suchen Sie entweder den Begriff in einer Suchmaschine Ihrer Wahl oder fragen Sie eine Künstliche Intelligenz. Formulieren Sie die Definition in eigenen Worten in mindestens einem vollständigen Satz. Unter dem Fiskus versteht man den Staat in der Rolle eines Finanzverwalters. Einkommensteuerpflicht Kinder/Jugendliche ohne Erwerbseinkommen Kinder/Jugendliche mit Erwerbseinkommen, z. B. in der Lehre Erwachsene ab 18 Jahre bis Volljährigkeit ab Volljährigkeit Zusammenveranlagung der Familie = Gemeinschaftsbesteuerung d. h. Vermögen/alle Einkünfte versteuern die Eltern Steuerpflichtig für das Erwerbs-/Ersatzeinkommen Vermögen/andere Einkünfte versteuern die Eltern Steuerpflichtig für Einkommen und Vermögen Art. 9 Abs. 2 S. 1 DBG1 Art. 9 Abs. 2 S. 2 DBG Art. 8 DBG Aufgabe 2. Kreuzen Sie bei den folgenden Fallbeispielen an, wer die Einkünfte oder das Vermögen auf der Einkommensteuererklärung deklarieren muss. Fallbeispiel Person versteuert selbst Eltern der Person versteuern Amélie ist 19 Jahre alt, Studentin, wird regelmässig für eine Schokoladenreklame fotografiert und erzielt damit Einkünfte. ✗ Bertram ist fünf Jahre alt und hat von seiner verstorbenen Grossmutter ein Grundstück geerbt. ✗ Carlo ist 16 Jahre alt, absolviert seine Grundbildung in einem Notariat und erhält monatlichen Lohn. ✗ Detlef ist 17 Jahre alt und schliesst seine KV-Lehre im kommenden Sommer ab. Er erhält einen Monatslohn und hat über die 2.5 Jahre davon CHF 20 000.00 angespart. ✗ (Monatslohn) ✗ (CHF 20 000.00) 1 Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG)

9 Lernfeld 2b: Persönliche Finanzen Steuerfreies Minimum Die Kantone sehen ein steuerfreies Minimum vor, unter welchem die Einkommensteuer nicht erhoben wird. Oft wird aus Angemessenheitsgründen auf eine Besteuerung verzichtet. Spezialabzüge Manche Kantone sehen vom Erwerbseinkommen Spezialabzüge für Minderjährige vor, z. B. Kanton VS (CHF 7 720.00), JU (CHF 3 800.00) und FR (CHF 3 600.00). Quellensteuer Im Kanton GE werden Minderjährige, die ein Erwerbseinkommen haben, an der Quelle besteuert (Quellensteuer), d. h., der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin zieht die Quellensteuer vom Lohn ab und zahlt diese direkt ans Steueramt. Aufgabe 3. Suchen Sie im Internet mithilfe des Steuerrechners der Eidgenössischen Steuerverwaltung bei den Steuerstatistiken die Tarife zur Einkommensteuer im Kanton Ihres Wohnortes. Von der Startseite aus (swisstaxcalculator.estv.admin.ch/#/home) klicken Sie auf «Steuerbelastungsstatistiken» und anschliessend beim Ausfüllen die Darstellungsart «Beginn der Steuerpflicht» anwählen. Recherchieren Sie dort das steuerfreie Minimum und rechnen aus, ob Sie mit Ihrem Lohn in der Grundbildung noch darunterliegen. Ihr Jahreslohn: Individuelle Lösung Steuerfreies Minimum im Kanton: Individuelle Lösung

10 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen 3.3 Instrumente zur Messung In diesem Teil schauen wir uns an, wie die Messung der Zufriedenheit der Auftraggeber erfolgen kann. Dabei kann es sich um Kunden des Lehrbetriebs, um Lieferanten, Vorgesetzte, Arbeitskollegen oder um Familienmitglieder handeln. Von ihnen allen bekommen Sie regelmässig Aufträge für kleinere und grössere Arbeiten. Rückmeldungen können in unterschiedlichen Formen und in verschiedenen Gefässen gegeben werden: –– Mitarbeitergespräche –– Lieferanten- und Kundenfeedbacks –– wöchentliche bilaterale Besprechungen (Bila, Jour fixe) –– Highs und Lows in Team-Besprechungen –– Debriefings (z. B. nach Abschluss eines Projekts) –– usw. In manchen Unternehmen ist es üblich, sich in Teamsitzungen gegenseitig etwas Positives mitzuteilen. Das hebt einerseits die Stimmung und richtet andererseits auch den Fokus auf das Positive. Statt der Fehler suchen wir dabei die Stärken der einzelnen Teammitglieder. Es kann sehr spannend sein, wie die Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen Sie wahrnehmen. Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit Das aus dem Englischen stammende «Big Five Model» kann helfen, sich und Gesprächspartner besser zu verstehen. Offenheit für Erfahrungen: Beschreibt Menschen, die erfinderisch und neugierig sind. Vorsichtige oder konservative Menschen werden Schwierigkeiten haben, mit diesen Menschen zu harmonieren. Gewissenhaftigkeit: Beschreibt Menschen, die organisiert und effektiv sind. Nachlässige Menschen werden hier nicht auf Resonanz stossen. Extraversion: Beschreibt Menschen, die gesellig und aktiv sind. Mit reservierten und zurückhaltenden Menschen kommt es des Öfteren zu Konfliktpunkten. Verträglichkeit: Beschreibt Menschen, die kooperativ, freundlich und mitfühlend sind. Sie stehen häufig mit wettbewerbsorientierten und antagonistischen Personen im Konflikt. Neurotizismus: Beschreibt Menschen, die verletzlich und überemotional sind (häufig wird von Labilität gesprochen). Sie stellen den Gegenpol zu selbstsicheren, gefassten Menschen dar. Offenheit Persönlichkeit Gewissenhaftigkeit Verträglichkeit Extraversion Neurotizismus

11 Lernfeld 3: Netzwerke & Selbstmarketing Aufgabe Selbsteinschätzung nach dem Big-Five-Modell 1. Schätzen Sie Ihre Persönlichkeit ein, indem Sie bewerten, wie ausgeprägt die «Big-Five»-Dimensionen Ihrer Persönlichkeit sind. Individuelle Lösung emotionale Stabilität Gewissenhaftigkeit Anpassung/Verträglichkeit Extroversion Offenheit für Erfahrungen Reflektieren Sie das Ergebnis: a) Welche Eigenschaften Ihrer Persönlichkeit sind regelmässig hinderlich? Individuelle Lösung b) Welche Eigenschaft Ihrer Persönlichkeit empfinden Sie als besonders gewinnbringend? Individuelle Lösung c) Welche Eigenschaft Ihrer Persönlichkeit möchten Sie fördern? Individuelle Lösung Lernfeld 3: Netzwerke & Selbstmarketing 3.4 Fremdwahrnehmung/Rückmeldungen auf Inputs Nach den praktischen Tests in den vorherigen Kapiteln schauen wir uns zum Abschluss an, wie die Wirkung angekommen ist. Wir haben die Instrumente zur Messung kennengelernt und wenden nun an, wie wir die Ergebnisse präsentieren können. Wer fragt, der führt. Vielleicht können Sie in einem Gespräch mit Ihren Familienmitgliedern herausfinden, ob Sie so wahrgenommen werden, wie Sie es sich vorstellen bzw. gerne möchten.

12 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Die Wirkung des eigenen Selbstmarketings kann man durch folgende drei Bereiche prüfen: –– Feedback –– Beobachtung –– Selbstreflexion Selbstmarketing ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Es bedeutet nicht nur, Leistung zu bringen, sondern diese auch sichtbar zu machen und sich positiv darzustellen. Die Angleichung von Selbst- und Fremdwahrnehmung, wie wir von Mitmenschen im beruflichen und privaten Kontakt wahrgenommen werden, ist ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Selbstmarketing. 3.5 Persönliches Portfolio Portfolioarbeit müssen Sie lernen, sie kann nur schwierig gelehrt werden. Der Lehrbetrieb sollte Sie dabei unterstützen und die Portfolioarbeit steuern. Die Portfolioarbeit ist ein Werkzeug, um während der Ausbildung Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. –– Wichtigstes Instrument im Zusammenhang mit dem lebenslangen Lernen –– Kompetenzentwicklung wird dokumentiert –– Form –– Kaufmännische Ausbildungs- und Prüfungsbranchen stellen das persönliche Portfolio zur Verfügung Ob online oder persönlich, Sie brauchen ein anderes «Über mich». Oder ziehen Sie immer dieselben Schuhe an? Vermutlich nicht, Sie brauchen verschiedene Schuhe für unterschiedliche Anlässe. Das Gleiche gilt für Ihren Text, den Sie z. B. auf Social-Media-Kanälen veröffentlichen. Persönliches Portfolio Reflexion Kompetenzraster Extrameilen Plan für die Ausbildung Hilfsmittelablage Lernprozesse dokumentieren Aufträge aus der Praxis Portfolio-Beispiel beim Selbstmarketing Sieben mögliche Tipps, wie Sie Ihr Selbstmarketing positiv beeinflussen –– Ziele definieren: Was möchte ich erreichen? Wo sehe ich mich in fünf oder X Jahren? –– Netzwerken: Kontakte knüpfen und diese auch pflegen. –– Selbstsicher auftreten: Das können Sie in Ihrem Lehrbetrieb wunderbar lernen. –– Online präsent sein: Profile in den Sozialen Medien regelmässig überprüfen und ergänzen.

13 Lernfeld 3: Netzwerke & Selbstmarketing –– Investition in sich selbst: Denken Sie daran, auch im Flugzeug kommt die Durchsage, zuerst sich selbst zu helfen, bevor man anderen Mitmenschen bei ihrer Sauerstoffmaske behilflich ist. –– Authentizität: Bleiben Sie sich selbst treu. –– Tun: Nach einer groben Planung beginnen Sie mit den ersten Schritten. Viele kleine Schritte führen letztendlich auch zu dem grossen Ziel. Erfolgserlebnisse auf dem Weg zum Ziel sollten immer wieder gefeiert werden. Aufgabe 1. Erstellen Sie anhand der vorherig genannten Tipps Ihr Portfolio. Individuelle Lösung: Werte, Haltungen, Ziele, «Über mich»-Satz, Grobplanung bis wann welche Schritte erreicht werden wollen www.klv.ch/3LZK Zur Lernzielkontrolle

14 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Themenbereich 4: Agieren in der Gesellschaft Lernfeld 4a: Demokratie & Medien Analyse K4 a5.bs4 Sie setzen sich mit aktuellen politischen Ereignissen auseinander und unterscheiden dabei die wichtigsten Interessengruppen und die daraus entstehenden Spannungsfelder. Analyse K4 a5.bs5 Sie analysieren den Einfluss von politischen Entscheidungsträgern auf ihre eigene Meinung. Anwenden K3 a5.bs6 Sie bilden sich zu politischen Themen eine eigene Meinung und begründen sie mit Argumenten. Verstehen K2 T4a.8 Sie erläutern die Rolle von Medien in einer Demokratie und in einer Diktatur. Analyse K4 a5.bs7 Sie analysieren die Funktionsweisen von Medien und deren Einfluss auf die Meinungsbildung. Anwenden K3 T4a.9 Sie arbeiten an ihrem persönlichen Portfolio. 4.1 Einstieg & Hinführung Im zweiten Lehrjahr haben wir die drei Jugendlichen Leandra, Sadi und Jadila kennengelernt. Sie sind aus der gleichen Region und kennen sich gut. Zusammen mit ihnen lernten wir die Grundlagen unseres demokratischen Rechtsstaates kennen. Die drei Jugendlichen treffen sich in der Freizeit regelmässig. Kürzlich feierten sie die Plattentaufe der Metal Band «Drill». Die spannenden Spiele im vollen Stadion des FC St. Gallen 1879, untermalt mit eindrücklichen Choreografien der Fangruppen, begeisterten die drei Jugendlichen. Inzwischen hat Leandra die Fachmittelschule (FMS) abgeschlossen und absolviert nun das Praxisjahr mit zusätzlicher Allgemeinbildung. Sie wird im Sommer die Fachmaturität Pädagogik abschliessen, um sich anschliessend an der Pädagogischen Hochschule zur Primarlehrerin ausbilden zu lassen. Leandra ist Schweizerin und nimmt regelmässig an den Volksabstimmungen teil. Als Lehrerin möchte sie später im Rahmen des Klassenverbandes demokratische Prozesse einüben und die Schülerinnen und Schüler das Debattieren üben lassen. Der reflektierte Umgang mit Medien ist ihr wichtig. Sie möchte die Medienkompetenz bei ihren künftigen Schülerinnen und Schülern gezielt fördern, denn im Internet und auf Social Media lauern viele Gefahren. Sadi kam im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern aus Syrien in die Schweiz. Jetzt ist er im vierten Lehrjahr als Polymechaniker. Ihm gefällt der ABU-Unterricht. Die Lehrerin schafft es, bei den Jugendlichen Interesse für politische Themen zu wecken. Sie lernen, Argumente zu analysieren und eigene Argumente zu formulieren. Sadi und seine Eltern möchten nächstes Jahr das Schweizer Bürgerrecht erlangen. Jadila ist in der Schweiz geboren und absolviert im dritten Lehrjahr eine Banklehre. Ihre Eltern sind ursprünglich aus Sri Lanka. Sie haben letztes Jahr das Schweizer Bürgerrecht erhalten. Vor Abstimmungen fragen sie oft die 18-jährige Jadila um Rat, da sie sich, nun da sie selbst abstimmen darf, verstärkt mit den politischen Themen auseinandersetzt. Kürzlich führte die Berufsfachschule von Jadila eine Podiumsdiskussion im Vorfeld einer nationalen Abstimmung durch. Die Wirtschafts- und Rechtslehrerin konnte eine Nationalrätin, die sich für, und einen Parlamentarier, welcher sich gegen die Vorlage einsetzte, in die Aula der Schule einladen. Vor dem Anlass mussten sich die Schülerinnen und Schüler ins Thema einlesen. Arbeitsteilig wurden verschiedene Medienarten in Gruppen kritisch analysiert und deren Argumentationslinien verglichen. Die Lehrerin moderierte die Diskussion. Nach einer ersten Einführungsdebatte konnten auch die Schülerinnen und Schüler der Nationalrätin und dem Nationalrat Fragen stellen. Beim anschliessenden Apéro wurden einige Aussagen nochmals kritisch diskutiert. Leistungsziele

15 Lernfeld 4a: Demokratie & Medien Tipp Die Webseite ch.ch liefert einfache und leicht verständliche Antworten zum Leben in der Schweiz. Die Publikation «Der Bund kurz erklärt» bietet zudem einen Überblick über das politische System, die Verwaltung und die Justiz in der Schweiz. 4.2 Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Ereignissen Sadis ABU-Lehrerin bringt ein besonderes Beispiel aus der Schweizer Politik in die Klasse. Sie möchte an diesem Beispiel zeigen, wie die wirtschaftliche Lage einzelner Unternehmen plötzlich zu einem nationalen politischen Thema werden kann. Folgende Situation ist im Herbst 2024 entstanden: Die Produktion von Stahl ist sehr energieintensiv. In letzter Zeit sind die Strompreise gestiegen. Weltweit und in Europa gibt es einen Überfluss an Stahl. In vielen Ländern wird die Stahlproduktion massiv subventioniert. Eine allgemeine Konjunkturschwäche, Überkapazitäten und Protektionismus belasten die Branche. In dieser Marktkonstellation sind die Stahlwerke in Gerlafingen (Kanton Solothurn) und Emmenbrücke (Kanton Luzern) in eine wirtschaftliche Notlage geraten. Etwa 2 000 Angestellte wären von einer Schliessung der Werke betroffen. Wegen Überschwemmungen im Sommer 2024 sind auch zwei Walliser Aluminiumwerke in eine schwierige Lage geraten. Diese Gemengelage hat die Politik auf den Plan gerufen. Drei Motionen wurden zur Rettung der angeschlagenen Stahlwerke Gerlafingen eingereicht. In der Wintersession 2024 haben Solothurner und Luzerner Politiker über die Parteigrenzen hinweg vom Bund eine dringliche Lösung für die gefährdeten Betriebe gefordert. Der Bundesrat und Swissmem (der Verband der Industrie) waren gegen eine staatliche Stützung von privaten Unternehmen. Von aussen übten die Gewerkschaften Druck aus auf Solothurner, Luzerner und Walliser Politikerinnen und Politiker über die Parteigrenzen hinweg. Eine Allianz von Linken sowie Teilen der Mitte führten schliesslich zu einer Mehrheit in beiden Räten. Der dringliche Rettungsplan sieht vor, dass die gefährdeten Stahl- und Aluminiumwerke von 2025 bis 2028 Sonderrabatte auf die Gebühren für die Benutzung des Stromnetzes bekommen. Finanziert wird dies durch eine Erhöhung der Netznutzungsgebühren von ca. 0.2 % für alle anderen Stromkonsumenten. 4.2.1 Relevanz von Interessengruppen Das Beispiel mit den Stahlwerken zeigt, wie Politik funktionieren kann. Aufgrund einer Dringlichkeit, eines Ereignisses oder einer wachsenden Problemstellung kommt ein Thema auf die politische Agenda. Das Thema wird von Politikerinnen und Politikern, Parteien, Verbänden oder Interessengruppen aufgegriffen und bearbeitet. Es werden Lösungen gesucht und vorgeschlagen. Um die Lösungsideen formieren sich Befürworterinnen und Befürworter sowie Gegnerinnen und Gegner. Aus verschiedenen politischen Lagern können sich plötzlich überraschende Allianzen um eine Lösungsidee herum bilden. Diese müssen so stark sein, dass das Anliegen mehrheitsfähig wird. Auffallend an diesem Beispiel ist, dass auch Politikerinnen und Politiker der Mitte und FDP regionale Werte stärker gewichten als ihre liberalen ökonomischen Grundauffassungen. Damit wollen sie sicher auch die eigene Wählerbasis in ihrer Region hinter sich bringen. Mit dem Einbezug des Kantons Wallis wurde zudem auch die Westschweiz mitberücksichtigt und die Allianz entscheidend vergrössert. In der Schweiz sind die Interessen der verschiedenen Landesteile und Sprachregionen auszugleichen. 4.2.2 Spannungsfelder Das Beispiel zeigt ökomische, ökologische, rechtliche und politische Spannungsfelder auf. Sollen Unternehmen, die zum Teil in ausländischem Besitz sind, unterstützt werden? Kann kurzfristige finanzielle Hilfe ein Strukturproblem der Branche langfristig lösen? Sind regionale Werte wichtiger als nationale? Soll die Nothilfe bereits beschlossen werden, wenn juristisch noch nicht klar ist, ob die Massnahme verfassungskonform ist? Schafft diese Einzelmassnahme nicht einen Präzedenzfall, auf den sich später andere Regionen und Branchen berufen können? Ist ein Stahlwerk systemrelevant? Wie wird die ökologische Belastung der Stahlbranche gemessen? Wie stark soll sich der Staat in die Wirtschaft einmischen? Die nachfolgende Tabelle zeigt die zentralen Argumente, die sich im Fall «Nothilfe für Stahlwerke» gegenüberstanden. Ein Präzedenzfall ist ein früheres Gerichtsurteil, das als Beispiel oder Massstab für zukünftige, ähnlich gelagerte Fälle dient. Diese Urteile können in späteren Fällen zitiert werden, um rechtliche Argumente zu unterstützen und eine einheitliche Anwendung des Rechts zu gewährleisten. Sie können somit richtungsweisend für den Ausgang eines Prozesses sein.

16 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Befürworterinnen und Befürworter Gegnerinnen und Gegner –– Der Erhalt der Stahlwerke ist für die Kreislaufwirtschaft wichtig. Stahlschrott kann lokal zu Baustahl verarbeitet werden. –– Die inländische Stahlproduktion ist systemrelevant. –– Sie ist für die Versorgungssicherheit des Landes wichtig. –– Ein externes Gutachten besagt, dass die Mehrkosten für alle Stromkonsumenten als Folge der Stahlsubvention keine Steuer seien, sondern eine verfassungskonforme Gebühr. –– Die Stahlsubventionen sind ein ordnungspolitischer Sündenfall. Im grenznahen Ausland gibt es über ein Dutzend Stahlhütten, die gerne in die Schweiz liefern würden. –– Auch mit diesen Subventionen ist das langfristige Überleben der Stahlwerke nicht gesichert. –– Da kann jeder kommen. Es gibt noch zahlreiche andere Branchen mit ähnlichen Problemen. –– Gemäss einem Papier des Bundesamtes für Justiz verstosse die Subvention gegen die Bundesverfassung. Aufgaben 1. Was ist im Beispiel Stahlwerke mit «Protektionismus» gemeint? Protektionismus ist es, wenn ein Staat versucht, die Wirtschaft im eigenen Land vor der Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen (z. B. durch Schutzzölle, Subventionen, Einfuhrkontingente). Der Protektionismus steht im Gegensatz zum Freihandel. 2. Was ist eine «Motion»? Schlagen Sie im Parlamentswörterbuch unter parlament.ch nach. Mit einer Motion erhält der Bundesrat den Auftrag, einen Entwurf zu einem Erlass der Bundesversammlung vorzulegen oder eine Massnahme zu treffen. Motionen können von der Mehrheit einer Kommission und während der Session von einer Fraktion oder einem Ratsmitglied eingereicht werden. Einer Motion müssen beide Räte zustimmen. 3. Was ist Ihre persönliche Meinung zum vorherigen Beispiel? Wie hätten Sie entschieden? Welches Argument überzeugt Sie am meisten? Individuelle Lösung

17 Lernfeld 4a: Demokratie & Medien 4.3 Welchen Einfluss haben politische Entscheidungsträger? Die Schweiz ist mit Europa wirtschaftlich sehr eng verflochten. Für die Schweiz stellt sich die Frage, wie sie ihre Beziehungen mit Europa und insbesondere der EU gestalten soll. Leandra diskutiert mit ihren Kolleginnen die Chancen und Gefahren einer engeren Anbindung an die EU. Leandra hat gehört, dass es in den nächsten Jahren hierzu wieder zu einer Volksabstimmung kommen könnte. Sie beobachtet, welche Positionen die einzelnen Parteien einnehmen. Sie liest über Debatten im National- und Ständerat, über mögliche Verträge zwischen der Schweiz und der EU. Zum Beispiel wird eine vertragliche Abmachung für Strom oder den internationalen Bahnverkehr benötigt. Je länger sich Leandra mit diesem Thema auseinandersetzt, desto unklarer wird ihr, wer hier eigentlich was bestimmen kann. Wann ist der Bundesrat am Verhandeln, wann wird das Parlament involviert, wann darf das Volk mitbestimmen und wie nehmen Parteien und Interessenverbände Einfluss? In der Flut der Berichterstattung in den Medien hat Leandra den Überblick verloren. Sie benötigt eine Grundlage, was mit Politik überhaupt gemeint ist. Um die Frage nach dem Einfluss von politischen Entscheidungsträgerinnen oder -trägern zu beantworten, müssen wir uns zuerst mit dem Politikbegriff auseinandersetzen. In der Literatur und Praxis hat sich die Aufteilung in die drei Dimensionen «Polity», «Policy» und «Politics» durchgesetzt. Denn Politik ist ein multidimensionales Konstrukt. Erst die Aufgliederung in die einzelnen Dimensionen ermöglicht differenziertere Analysen von Einflüssen durch Entscheidungsträgerinnen oder -träger und den komplexen politischen Vorgängen. Folgende Tabelle beschreibt die Merkmale der drei Politikdimensionen. Dimensionen Beschreibung Polity Politischer Handlungsrahmen (Form) Dazu gehören die politischen Strukturen und Institutionen (Regierungen, Parlamente, Parteien, Verbände, internationale Organisationen), die die Rechtsordnung (Verfassung mit den Grundrechten, Gesetze, Verordnungen) sowie die politische Kultur (Werte, Verhaltungsweisen von politischen Akteurinnen und Akteuren) einer Gesellschaft konstituieren. Institutionen legen also den Handlungsrahmen fest. Policy Inhalt Diese Dimension umfasst die Inhalte der politischen Auseinandersetzung sowie die Ziele und Aufgaben, welche die politischen Akteure äussern und umsetzen wollen. Es geht um die inhaltlichen Problemlösungen in den verschiedenen Politikbereichen (z. B. Gesundheit, soziale Vorsorge, europäische Integration, Klima oder Migration). Politics Prozess «Politics» bezieht sich auf politische Verfahren (was kommt überhaupt auf die politische Agenda, politische Beteiligungsverfahren, Gesetzgebungsprozesse, Abstimmungen, Wahlen) und die Willens- und Entscheidungsbildungsprozesse (politische Auseinandersetzungen, Debatten). Informationserzeugung, -gewinnung, -beurteilung und -verwertung sowie das Zusammenspiel politischer Akteure wie Parteien, Verbände und Lobbygruppen sind Teil der prozessualen Dimension. Politikdimensionen. In Anlehnung an Schubert, K. (1991). Politikfeldanalyse – Eine Einführung, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. Lobbying Je nach Sachfrage sind wieder andere politische Akteure im Spiel. Im Verlaufe eines politischen Prozesses versuchen Interessengruppen, durch die Pflege von persönlichen Verbindungen die Entscheidungsträgerinnen und -träger zu beeinflussen. Dies wird als Lobbying bezeichnet. Der Begriff geht auf das englische Wort «Lobby» (Vorhalle) zurück. Man versucht – sozusagen im Vorzimmer der Entscheidungsträgerinnen und -träger – durch persönliche Kontakte Einfluss auszuüben. Einerseits sind die Entscheidungsträgerinnen und -träger auf Informationen und Argumente der Interessengruppen angewiesen. Andererseits ist Lobbyismus intransparent und führt zur Durchsetzung von

18 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Lernfeld 4c: Kunst Anwenden K3 a5.bs9 Sie schildern Wirkungen unterschiedlicher Kunstformen auf sie selbst. Analyse K4 T4c.2 Sie erfahren Kunst vor Ort und reflektieren deren Wirkung auf sie selbst. Analyse K4 T4c.3 Sie reflektieren Kunst als Ausdruck der Gesellschaft. Anwenden K3 T4c.4 Sie arbeiten an ihrem persönlichen Portfolio. 4.1 Kunstwerke «Hidelike» expandiert und ist in neue Büroräumlichkeiten umgezogen. Eine Innenarchitektin hat das Interieur modern und zweckmässig gestaltet. Alles wirkt jedoch etwas fade und zu schlicht. Es gibt mehrere Grossraumbüros sowie vereinzelt auch Einzelbüros, die sich überwiegend hinter Wänden aus Glas befinden. Zwei Konferenzräume runden das Bild ab. Marc hat bereits zahlreiche Pflanzen geordert, die für ein gutes Raumklima sorgen; er möchte zusätzlich ein wenig Farbe und eine kreative Grundstimmung in die einzelnen Arbeitsbereiche hineinbringen und dabei auch auf die Wünsche der Mitarbeitenden eingehen. Es ist ihm wichtig, dass diese sich wohlfühlen und in einer für sie angenehmen Atmosphäre tätig sind. Viele sind bereits auf der Suche nach geeigneten Kunstwerken und Dekorationsmöglichkeiten. Bei den Geschmäckern scheiden sich jedoch bekanntlich die Geister und es kommt womöglich ein schwieriges Unterfangen auf «Hidelike» zu, hier Einigkeit zu erzielen. Aufgabe 1. Diskutieren Sie in Kleingruppen, wie «Hidelike» am besten vorgehen sollte, um die neuen Geschäftsräume über das vorhandene Mobiliar und die Grünpflanzen hinaus weiter zu gestalten. Es gibt Einzelbüros mit je ca. zwei freien Wandflächen, mehrere Stellmöglichkeiten für dreidimensionale Objekte und zahlreiche kleinere Wandflächen über halbhohen Wandschränken in den Grossraumbüros. Schliesslich ist mit dem Vermieter auch abgesprochen, dass das Treppenhaus von «Hidelike» gestaltet werden kann. Notieren Sie sich Stichworte zur geplanten Vorgehensweise. Recherchieren Sie auch im Internet die möglichen Kosten. Individuelle Lösung Leistungsziele

19 Lernfeld 4c: Kunst Vorschlag für Einzelbüros Vorschlag für Grossraumbüros Vorschlag für Gänge und das Treppenhaus Individuelle Lösungen 4.1.1 Was versteht man unter Kunst? Der Objektkünstler Marcel Duchamp hat ein handelsübliches Pissoirbecken für öffentliche Toiletten bei einer Kunstausstellung in New York unter dem Pseudonym R. Mutt eingereicht. Dieses Kunstwerk «Fountain» wurde von der Jury zurückgewiesen und löste eine grosse mediale Diskussion in der Kunstwelt aus. Aufgabe 2. Überlegen Sie sich, was Sie persönlich unter dem Begriff der Kunst verstehen. Können Alltagsgegenstände Kunstobjekte sein? Braucht es jeweils einen kreativen Produktionsprozess? Tauschen Sie sich über Ihre Ansicht mit Ihrer Banknachbarin bzw. Ihrem Banknachbarn aus. Notieren Sie sich die wichtigsten Anhaltspunkte. Individuelle Lösung Nach einem kreativen Prozess, einem Tätigwerden mit speziellem Wissen und Können von Künstler/- innen entstehen Werke, die eine Idee oder ein Gefühl vermitteln. Oft regen Kunstwerke zum Nachdenken an, vermitteln ästhetische Eindrücke, erstaunen oder sind einfach nur schön anzusehen. Die Betrachtenden können sich mit den Kunstobjekten und Wirkungen auf sich selbst oder deren Umgebung in kulturellen Kontexten auseinandersetzen. Aufgabe 3. Denken Sie an das Werk «Fountain» von Duchamp. Das Urinal wird dem Künstler noch heute zugeordnet, obwohl das Original verschwunden ist. Er präsentierte es um 90 Grad gekippt, sodass dessen Funktionalität (unabhängig von der korrekten Sanitärmontage) nicht mehr gewährleistet ist. Viele Kopien befinden sich in zahlreichen Museen. Beantworten Sie dazu die folgenden Fragen: a) Worin liegt Ihrer Meinung nach die Kreativität bzw. technische Fertigkeit bei diesem Kunstwerk? Individuelle Lösung b) Was war dabei nach Ihrer Auffassung das spezielle Wissen und Können von Duchamp? Individuelle Lösung

20 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen c) Was, glauben Sie, wollte Duchamp mit «Fountain» bewirken? Individuelle Lösung d) Wie wirkt das Kunstwerk auf die Betrachtenden, was denken Sie? Individuelle Lösung e) Warum wurde wohl das Kunstwerk von der Jury zurückgewiesen, was vermuten Sie? Individuelle Lösung f) Stellt «Fountain» für Sie ein Kunstwerk dar? Individuelle Lösung g) Was vermuten Sie, würden die Menschen in der heutigen Zeit über «Fountain» denken? Individuelle Lösung 4.1.2 Kunstformen Es werden verschiedene Kunstformen unterschieden: Kategorien von Kunst Bildende Kunst Darstellende Kunst Musik Literatur Malerei wie z. B. Gemälde, Zeichnungen Bildhauerei wie z. B. Statuen, Skulpturen Grafik wie z. B. Lithografie, Radierung, Kupferstich Architektur wie z. B. Bauwerke Theater Tanz Film Komposition Interpretation Gesang Instrumentalwerke Epik Drama Lyrik

21 Lernfeld 4c: Kunst Die heutige Kunst gab es nicht schon immer, sondern sie hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Fotografie, Medienkunst, Installationen und Performances sind weiterhin hinzugekommen. Der Comic ist eine Mischung aus bildender Kunst und Literatur. Die Entwicklung geschah in mehreren Epochen, das heisst, das sind kunstgeschichtliche Zeiträume, in denen ein bestimmter Stil vorherrschte. Stilrichtungen wurden auch von politischen, kulturellen und sozialen Veränderungen der Zeit beeinflusst. Kunstepochen haben fliessende Übergänge, überschneiden sich eventuell zeitlich. Manche Künstler/-innen durchlebten sogar in ihrer künstlerischen Entwicklung verschiedene Schaffensperioden, z. B. Pablo Picasso. Hier werden die wichtigsten Kunstepochen aufgelistet: Antike/Altertum, Romanik, Gotik, Renaissance, Manierismus, Barock, Rokoko, Klassizismus, Romantik, Biedermeier, Realismus, Impressionismus, Naturalismus, Symbolismus, Jugendstil, Expressionismus, Kubismus, Futurismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Art Deco, Bauhaus, Surrealismus, Abstrakter Expressionismus, Pop-Art/Op-Art, Postmoderne, Fotorealismus, Neo-Expressionismus, Streetart/Urban Art, Minimalismus, Happenings, Zeitgenössische Kunst. Übrigens ist der Dadaismus im Zürcher «Cabaret Voltaire» gegründet worden. Bei dieser Stilrichtung werden Tabus gebrochen und Provokationen ausgelöst, indem z.B. Werte und Normen durch Unsinn ersetzt werden. 4.1.3 Virtueller Museumsbesuch Kunst kann direkt bei den Künstler/-innen oder über den Kunstmarkt erworben werden. Viele Künstler/-innen arbeiten mit Galerien zusammen, die deren Werke zum Verkauf anbieten. Auktionshäuser versteigern Kunstwerke, z. B. bei Sotheby‘s oder Christie‘s sind Werke von berühmten Künstler/-innen erhältlich. Es gibt ausserdem Kunstmessen, Online-Plattformen, Kunstvereine und Pop-up-Events. Wer Kunst nicht kaufen möchte, kann Kunst auch nur betrachten. Kunstwerke werden von öffentlichen oder privaten Museen erworben und der Allgemeinheit ohne oder gegen Zahlung von Eintrittsgeldern zur Besichtigung im Rahmen einer Ausstellung angeboten. Eingang Sotheby‘s in Zürich Aufgabe 4. Begeben Sie sich auf eine virtuelle Tour durch ein Kunstmuseum Ihrer Wahl. Suchen Sie eine Tour im Internet oder wählen Sie unter den folgenden Links eine aus. Gehen Sie im Museum virtuell spazieren und betrachten Sie die präsentierten Kunstwerke. Suchen Sie sich ein Kunstwerk aus und

22 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen Lernfeld 5: Nachhaltige Entwicklung – Wahlpflichtmöglichkeit 2: Soziales & Markt Analyse K4 a4.bs11c Sie analysieren, welchen Einfluss ihre Lebensführung auf gesellschaftliche Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung hat. Analyse K4 a4.bs11d Sie untersuchen, welchen Einfluss ihr Konsumverhalten auf wirtschaftliche Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung hat. Analyse K4 a4.bs11e Sie entwickeln Massnahmen für persönliches nachhaltiges Handeln in Bezug auf gesellschaftliche und/oder wirtschaftliche Faktoren. Anwenden K3 T5.4 Sie arbeiten an ihrem persönlichen Portfolio. 5.1 Lebensführung & Konsumverhalten Die Lebensführung hat einen erheblichen Einfluss auf gesellschaftliche Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltigkeit ist ein Konzept, das ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen miteinander vereint, und unsere täglichen Entscheidungen und Verhaltensweisen können einen direkten Einfluss auf die Zukunft der Gesellschaft und des Planeten haben. Dieses Modell macht auf einen Blick klar, dass Nachhaltigkeit weit mehr als nur Klima- und Umweltschutz ist, sondern mindestens drei Dimensionen berücksichtigt. Die Drei-Säulen-Modelle der Nachhaltigkeit entstanden in den 1990er-Jahren, wobei der genaue Ursprung nicht eindeutig zugeordnet werden kann. Oft wird neben den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit auch von einer vierten Dimension – Politik/Governance – gesprochen. Ökologisch Sozial Wirtschaftlich Politisch Hier sind einige Schlüsselbereiche, in denen die Lebensführung die gesellschaftliche Nachhaltigkeit beeinflussen kann. Leistungsziele Nachhaltige Lebensführung Ökologie Ökonomie Soziales

23 Lernfeld 5: Nachhaltige Entwicklung Ressourcennutzung und Konsumverhalten –– Ressourcenverbrauch: Unser Konsumverhalten – wie der Kauf von Produkten, die Nutzung von Energie, Wasser und anderen Ressourcen – beeinflusst direkt die Umwelt. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen, wie das Reduzieren von Abfall, Recycling und der Umstieg auf nachhaltige Produkte, trägt zur Reduzierung des ökologischen Fussabdrucks bei. –– Konsumtrends: Die Gesellschaft wird zunehmend auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen aufmerksam. Unternehmen reagieren auf diese Nachfrage, was zu einer Veränderung der Marktstrukturen führt, die mehr auf Umweltfreundlichkeit und Ressourcenschonung ausgerichtet sind. –– Ernährungsgewohnheiten: Die Wahl der Nahrungsmittel hat einen enormen Einfluss auf die Umwelt. Eine pflanzenbasierte Ernährung führt zu geringeren CO₂-Emissionen und einem geringeren Ressourcenverbrauch als der Konsum tierischer Produkte. Durch eine bewusste Ernährung und die Förderung von saisonalen und regionalen Produkten können gesellschaftliche Normen in Richtung einer klimafreundlicheren Lebensweise verändert werden. –– Soziale Gerechtigkeit: Ernährungsgewohnheiten wirken sich auch auf die soziale Gerechtigkeit aus, etwa durch die Unterstützung von fairem Handel oder den Zugang zu gesunden Lebensmitteln für benachteiligte Bevölkerungsschichten. –– Mobilität und Verkehr: Die Wahl von Transportmitteln beeinflusst den CO₂-Ausstoss und die Umweltbelastung. Der Trend hin zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln wie Fahrrädern, Elektroautos oder der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kann den urbanen Raum nachhaltiger gestalten. –– Stadtplanung: Auch die Art und Weise, wie Städte geplant werden – z. B. durch Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und durch die Schaffung von Fussgängerzonen – hat langfristige Auswirkungen auf den CO₂-Ausstoss und die Lebensqualität der Menschen. Sie entscheiden, was Sie kaufen. Mit dem Kauf von regionalen Produkten, wo immer es möglich ist, kann man einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Angebote leisten. Zusätzlich kann man – wo es sinnvoll ist – bei Lebensmitteln saisonale Produkte bevorzugen, was die Lebensführung positiv beeinflusst. So könnte man beispielsweise darauf verzichten, im Januar bzw. Februar importierte Erdbeeren zu kaufen. In der Schweiz beginnt die Erdbeer-Saison in der Regel Ende April bzw. im Mai. Die Vorfreude wächst umso mehr, je länger Früchte aus Übersee in den Supermarktregalen liegen. Denn wer einmal darauf achtet, stellt schnell fest: Erdbeeren aus der Region schmecken einfach besser – besonders, wenn die Vorfreude durch saisonale Verfügbarkeit gesteigert wurde. Auch der alltägliche Umgang mit Abfall hat spürbaren Einfluss auf die persönliche Lebensführung. Ein bewussterer Blick auf das Thema «Besser leben ohne Plastik» zeigt deutlich: Erstaunlich viel Plastik landet täglich im Müll. Mit etwas Achtsamkeit lassen sich hier besonders schnell Erfolge erzielen – weniger Abfall bedeutet sichtbare Ergebnisse. Und genau diese sichtbaren Resultate sind ein starker Motivator, um nachhaltiges Verhalten weiter zu festigen und auszubauen. Bildung und Bewusstsein –– Nachhaltige Bildung: Eine Veränderung der Lebensführung erfordert Wissen und Bewusstsein. Die Bildung über nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz fördert verantwortungsbewusstes Handeln und stellt sicher, dass die Gesellschaft über die notwendigen Informationen verfügt, um Entscheidungen zu treffen, die sowohl ihrer eigenen Lebensqualität als auch der Umwelt zugutekommen. –– Gesellschaftliches Engagement: Einzelne können durch freiwilliges Engagement, wie durch die Teilnahme an Gemeinschaftsinitiativen oder sozialen Bewegungen, einen positiven Einfluss auf ihre Umgebung ausüben und eine nachhaltigere Kultur fördern. Soziale Innovation und Gemeinwohlorientierung –– Kooperative Modelle: In modernen Gesellschaften wächst das Interesse an neuen sozialen Geschäftsmodellen wie Genossenschaften oder Sharing-Economy-Ansätzen, die auf gemeinschaftlicher Ressourcennutzung und sozialer Gerechtigkeit basieren. –– Kollektive Verantwortung: Nachhaltige Entwicklung wird zunehmend als kollektive Verantwortung verstanden. In diesem Zusammenhang können neue Formen von Gemeinschaft und Solidarität,

24 HKB A – Handeln in agilen Arbeits- & Organisationsformen etwa durch Nachbarschaftsinitiativen oder Gemeinschaftsgärten, gesellschaftliche Strukturen stärken, die die Umwelt und das soziale Wohl fördern. Veränderung der sozialen Normen –– Verhaltensänderungen: Nachhaltigkeit kann nicht nur durch technologische Innovationen erreicht werden, sondern auch durch kulturelle und soziale Veränderungen. Wenn mehr Menschen eine nachhaltige Lebensweise praktizieren, verändert sich der gesellschaftliche Druck und Unternehmen sowie politische Institutionen sind gezwungen, entsprechend zu handeln. –– Politische Beteiligung: Die individuelle Lebensführung geht Hand in Hand mit politischem Engagement. Menschen, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen, tragen zur Gestaltung politischer Entscheidungen bei, die das gesellschaftliche System hin zu einer nachhaltigeren Zukunft verändern. Die Lebensführung beeinflusst massgeblich die gesellschaftliche Dimension einer nachhaltigen Entwicklung. Durch bewusste Entscheidungen im Alltag – sei es im Konsum, in der Ernährung, der Mobilität oder im sozialen Engagement – kann jeder Einzelne zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen. Gesellschaftliche Veränderungen erfordern jedoch auch die Förderung von Bildung, politischer Beteiligung und Innovationen, die die soziale und ökologische Verantwortung in den Mittelpunkt stellen. Das Unternehmen «Hidelike» kann in seiner Entwicklung Einfluss auf die vorherig genannten Verbesserungen nehmen. Die Funktion, Personen im nahen Umfeld direkt über die App anzusprechen anstatt persönlich an der Bushaltestelle, hat gleich mehrere Vorteile: –– Menschen bewegen sich geografisch in ähnlichen Gebieten, daher sind bei einem Match kurze Reisewege zu erwarten. –– Die soziale Fähigkeit, auf Menschen direkt zuzugehen, nimmt tendenziell ab. Bei dieser App ist dann zumindest die räumliche Distanz geringer als in anderen Dating-Apps. Aufgabe 1. Wie sieht das bei Ihnen im Lehrbetrieb aus? Gibt es dort Angebote, die verbessert werden könnten, um das Unternehmen nachhaltiger zu positionieren? Mögliche Lösung: – Wo immer möglich und sinnvoll, Homeoffice. – In grösseren Unternehmen gibt es Personalräte, die die Anliegen der Mitarbeitenden gebündelt in der Geschäftsleitung vorbringen und so Verbesserungen bewirken, die sie in der täglichen Arbeit sehen. Eine positive Lebensführung hängt direkt mit dem Konsumverhalten zusammen. Dabei sind die privaten, beruflichen und sozialen Bereiche zu unterscheiden. Zudem haben Pendelwege und Freizeitaktivitäten einen weiteren Einfluss auf das Konsumverhalten. –– Wie wohnen Sie? Einzel-, Doppel- oder Familienhaushalt, Wohnung, Haus oder andere Unterkunft? –– Wie arbeiten Sie? Remote, vor Ort, in welcher Betriebsgrösse? –– Welche Hobbys betreiben Sie?

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