Künstliche Intelligenz in der Schule LB 2025

78 | 6 Ethik & Recht Transparenz in der Bildung Ethik im Umgang mit KI beginnt oft mit einem einfachen Satz: «Diese Antwort stammt von ChatGPT.» Transparenz bedeutet, dass Lernende (und Lehrpersonen) klar benennen, wenn KI beteiligt ist, und die Grenzen dieser Beteiligung offenlegen. Besonders im schulischen Kontext ist es wichtig, dass Lernende nicht in Unsicherheit darüber gelassen werden, ob eine Antwort selbst erarbeitet oder generiert wurde. Diese Unterscheidung betrifft nicht nur den fachlichen Gehalt, sondern auch die pädagogische Beurteilung – z. B. bei schriftlichen Arbeiten, Präsentationen oder Projekten. Selbstverantwortung Die aktuellen Reformen im Bildungsbereich (insbesondere in der Berufsbildung) verlangen mehr Selbstverantwortung, mehr Reflexion, mehr Eigenständigkeit. Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, sich Wissen selbstständig auf eine kreative und innovative Art und Weise anzueignen. Künstliche Intelligenz kann dabei ein wertvolles Hilfsmittel sein – aber nur dann, wenn Lernende verstehen: – was die KI kann und was nicht – wie man mit ihr arbeitet, ohne sich von ihr steuern zu lassen – wie man Ergebnisse beurteilt, überprüft, kritisch hinterfragt Die Entwicklung solcher Kompetenzen braucht gezielte Anleitung, Raum für Fehler und Gespräche über digitale Mündigkeit. Ethik bedeutet in diesem Fall auch: Lernende nicht alleinzulassen mit dieser neuen Macht – sondern sie anzuleiten, sie zu befähigen, sie zu begleiten. Respekt und Fairness Ein oft vergessener Aspekt im KI-Einsatz ist der Respekt vor der Person. Wenn Lernende oder Lehrpersonen durch KI analysiert, beurteilt oder imitiert werden (durch Bilder, Sprache oder Inhalte), muss klar sein: Jede Form von KI-Nutzung, die Menschen verzerrt, karikiert oder blossstellt, ist unethisch. Fairness bedeutet auch: – nicht jede Aufgabe durch KI «abzukürzen», nur weil es technisch geht – andere nicht zu benachteiligen, die keinen Zugang zu oder kein Wissen über KI haben – keine Leistungsnachweise zu manipulieren, etwa durch Copy and Paste aus der KI Bildung als Persönlichkeitsentwicklung Am Ende geht es bei einem ethischen KI-Einsatz nicht nur um Technik, sondern um das, was Bildung ausmacht: Menschen beim Denken begleiten. Wer KI nur als Mittel zur Effizienzsteigerung versteht, verfehlt den Bildungsauftrag. Wer sie hin-

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==