58 POLYTECHNISCHE SCHULE | BERUFLICHE BILDUNG | ALLGEMEINBILDUNG 93 Neuzeit M 3: Das geozentrische Weltbild. Buchmalerei aus der Weltchronik des Hartmann Schedel, 1493. M 4: Heliozentrisches Planetensystem des Kopernikus. Buchmalerei aus der „Harmonia Macrocosmica“ des Andreas Cellarius, 1660. 1. Vergleichen Sie die Weltbilder M 3 und M 4 arbeitsteilig. Achten Sie auch auf Auswahl, Anordnung und mögliche Bedeutung der Figuren. 2. Beurteilen Sie, welche Auswirkung das heliozentrische Weltbild in M 4 für das Selbstverständnis der Menschen und auf die lange bestehende Vormachtstellung der Kirche hatte. 3. Arbeiten Sie aus M 5 Hinweise auf da Vincis Talente heraus, die sich auch im Darstellungstext links wiederfinden. M 5: Da Vinci bietet dem Herzog von Mailand seine Dienste an (ca. 1490): Monseigneur […] Ich weiß zu konstruieren sehr leichte Brücken, welche man leicht von einem zum anderen Ort transportieren kann, und mit Hülfe welcher es oft möglich wird, den Feind zu verfolgen und ihn in die Flucht zu jagen. […] Ich verstehe auch eine Art Kanonen zu fabrizieren, sehr leicht und bequem zu transportieren, welche entflammte Stoffe schießt, um Schrecken unter die Feinde zu verbreiten […] und sie in Unordnung zu bringen. Ich kann auch Bombarden gießen, wenn es nötig ist, Mörser und Feldgeschütze […]. In Friedenszeiten wird es nützlich sein, zu allgemeinem Nutzen Architektur zu pflegen, Gebäude für Private und die Öffentlichkeit, und die Wasser von Ort zu Ort zu führen. Ich beschäftige mich auch mit Skulpturen in Marmor, in Bronze und in Erden; ebenso fertige ich Gemälde, alles was man will. Ich würde auch an einer Reiterstatue in Bronze arbeiten können, welche zum unsterblichen Ruhme und ewiger Ehre, also auch zur glücklichen Erinnerung Eurer Herrlichkeit Vaters und des fürstlichen Hauses Sforza errichtet werden soll. Leonardo da Vinci an Ludovico Sforza, in: Dr. Hermann Grothe, Leonardo da Vinci als Ingenieur und Philosoph, Berlin, Nicolaische VerlagsBuchhandlung (Stricker) 1874, S. 63 f. Q Aufgaben 92 Technische Entwicklungen: Beobachtung der Natur 5.3 M 2: Galileo Galilei (1564– 1642) wird als Kenner der Natur verfolgt. Hier vor der Inquisition in Rom, 1633. Radierung von Johann Conrad Krüger nach Berhard Rode, 1779. Wissenschaften Der Fokus auf Rationalität im Humanismus führte zur Durchführung unzähliger Experimente, um begründete Antworten auf immer neue Fragestellungen zu finden. Die Forschenden dieser Epoche versuchten, Erklärungen für bis dahin Unergründbares zu erhalten. Erfindungen wie das Mikroskop oder das Chronometer erleichterten ihnen die wiederholte und gezielte Durchführung von Versuchen. So wurde das Fundament für die auf empirischen Daten beruhenden Naturwissenschaften gelegt. Anatomie Der humanistische Zeitgeist wurde von einem beinahe unstillbaren Verlangen nach neuen Erkenntnissen und Einsichten gelenkt. Sehr zum Missfallen der Kirche beschäftigten sich zahlreiche Gelehrte sowie Künstlerinnen und Künstler mit dem Sezieren von Leichen, das offiziell verboten war. Durch die Untersuchungen toter Körper, die sie sich heimlich beschafft hatten, erhofften sie sich Einblicke in das physiologische Innenleben der Menschen: Aufbau und Position der Knochen, Verlauf der Blut- und Muskelbahnen etc. Der berühmte Maler, Forscher und Erfinder Leonardo da Vinci hinterließ zahlreiche Skizzen genauer menschlicher Anatomie, die darauf hinweisen, dass er an Sektionen teilnahm. Leonardo da Vinci – Wissenschaft und Kunst In der Renaissance wurden Kunst und Wissenschaft nicht als voneinander unabhängig betrachtet. Keine Person verkörpert das besser als das Universalgenie Leonardo da Vinci (M 2, S. 90). Er war Maler, Bildhauer, Mathematiker, Architekt, Physiker, Erfinder etc. in einer Person. Neben seinen berühmten Bildwerken hinterließ er etwa 13 000 Seiten an Notizen, Untersuchungen, anatomischen Skizzen und Erfindungen, denen oftmals Naturbeobachtungen zugrunde lagen. Kopernikanische Wende Durch immer bessere Fernrohre kam es auch in der Astronomie zu bedeutsamen Umbrüchen. Im Mittelalter gingen die Menschen noch davon aus, dass die Erde die Mitte des Weltalls sei. Dieses geozentrische Weltbild (M 3) wurde vom Astronomen Nikolaus Kopernikus widerlegt. Zwar wurde schon in der Antike berechnet, dass die Sonne der Mittelpunkt des Weltalls sei, aber dieses Wissen geriet über die Jahrhunderte – jedenfalls in Europa – in Vergessenheit. Das heliozentrische Weltbild (M 4) von Kopernikus wurde auch vom Mathematiker und Astronomen Johannes Kepler (M 1) bestätigt und erweitert. Kepler Heliozentrisches Weltbild Galileo Galilei, ein toskanischer Naturwissenschaftler, entwickelte ein neuartiges Fernrohr und bestätigte mit seinen Forschungen ebenfalls, dass die Erde sich um die Sonne drehe – und nicht umgekehrt. Dies widersprach aber den kirchlichen Lehren, wonach die Erde Zentrum des Universums sei. Er musste deshalb sogar eine Haftstrafe antreten. Erst als Galilei seine Thesen vor der Inquisition widerrief, wurde er freigelassen. Das neue humanistische Weltbild brachte auch eine veränderte Sichtweise des Menschen auf die Natur und das Universum mit sich. Da im Humanismus die menschliche Erfahrung und Rationalität eine gewichtige Rolle spielen, versuchen die Gelehrten Naturphänomene durch Beobachten zu verstehen – und legten den Grundstock für alle Naturwissenschaften. empirisch: auf Erfahrung oder Beobachtung beruhend Inquisition, die: Eine kirchliche Behörde, die damit beauftragt war, Häretikerinnen und Häretiker vor Gericht zu stellen. Tausende Menschen wurden im Mittelalter und in der Neuzeit von Inquisitoren zum Tod verurteilt. 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 M 1: Johannes Kepler (1571– 1630). Gemälde um 1620, anonym. Vergleichen Sie die Weltbilder M 3 und M 4 arbeitsteilig. Achten Sie auch auf Auswahl, Beurteilen Sie, welche Auswirkung das heliozentrische Weltbild in M 4 für das SelbstArbeiten Sie aus M 5 Hinweise auf da Vincis Talente heraus, die sich auch im Darstellungstext Einstieg Demokratie und Diktatur Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete nicht nur das „lange 19. Jahrhundert“, sondern auch die führende Rolle Europas in der Weltpolitik und der Weltwirtschaft. Die Monarchien Deutschlands, Russlands, Österreich-Ungarns sowie des Osmanischen Reichs wurden abgeschafft, ihre Staaten zerfielen oder wurden erheblich verkleinert. Als Großmächte traten die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion an ihre Stelle. In Österreich erinnerte man mit zahlreichen Kriegerdenkmälern an die jüngste Vergangenheit. „Tapfere Soldaten, die in Treue und Pflichterfüllung ihr Leben ließen […]“, so der Zeithistoriker Werner Suppanz 2014, dominieren diese Erinnerungszeichen. Trauer und Verlust, aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sucht man in dieser Erinnerungskultur vergeblich. Die Gefallenen werden als „Krieger“ überhöht, ihrem sinnlosen Sterben wird nachträglich Sinn zugeschrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg fügte man meist noch die für Hitlerdeutschland Gefallenen hinzu, was die Denkmäler heute zu besonders problematischen Orten des Erinnerns macht. Beschreiben Sie das „Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten der Weltkriege“ im steirischen Frohnleiten. Es wurde 1923 errichtet und 1953 erweitert. Analysieren Sie Wirkung und Funktion der Gedenkstätte. Beachten Sie dabei auch die gewählte Symbolik und denken Sie daran, welche Aspekte der Erinnerung womöglich vernachlässigt wurden. Diskutieren Sie, was uns die Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg über den gesellschaftlichen Umgang mit der Kriegsniederlage aus heutiger Sicht verrät. Beurteilen Sie das gemeinsame Erinnern an die Gefallenen beider Weltkriege am selben Ort. Was macht diese Denkmäler zu schwierigen Erinnerungsorten? 1930 1935 14.07.1927 Justizpalastbrand in Wien 30.01.1933 Adolf Hitler wird Reichskanzler 1936 „Juli-Abkommen“ 1936–1939 Spanischer Bürgerkrieg 12.03.1938 „Anschluss“ Österreichs 1940 Tondokumente zur Zeitgeschichte WMW-4639-171 7 Bildquelle: Im Zentrum von Frohnleiten, am Römerplatz, steht ein Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs; der Ausschnitt unten zeigt die Inschrift auf einer Gedenktafel dieses Denkmals. Foto 2023. Demokratie und Diktatur 1915 1925 11.11.1918 Waffenstillstand von Compiègne 1912 Ende des Kaiserreichs China 1917 Oktoberrevolution 1919 Allgemeines Wahlrecht in Österreich 1920 Denkmal chronologisch HAK/HUM 2–4 Geschichte, Politische Bildung Hasenauer, Lang, Marschnig (Hrsg.), Breser, Deininger, Gutmeyr-Schnur, Knopper, Korbel, Mindler-Steiner, Lichtensteiner, Lidor-Osprian, Wind, Wurzer Schultyp: 4600; 4710; 4720; 4730 E E-Book DZ Digitales Zusatzpaket L Material für Lehrpersonen DIGITALES ZUSATZPAKET | Inhalte 4 zusätzliche Digitalkapitel: Denk global/Global Citizenship Education (D1), Methodentrainings (D2), Denk politisch (D3), CLIL-Paket (D4) Lernvideos, Podcasts, digitale Zusatzaufgaben … Zahlreiche digitale Extras (Timelines, Bildüberblendungen, Wissenschecks) Punktgenaue Verlinkungen zu passenden WWW-Inhalten GRATIS: Das digitale Zusatzpaket ist integraler Bestandteil des Schulbuchs. Die Inhalte können per QR-Code oder durch Eingabe eines Webcodes auf www.westermann.at abgerufen werden. Die digitalen Zusatzkapitel (D1–D4) liegen zudem als PDF zum Ausdrucken vor. Aus dem Inhalt Politische Willensbildung Politische Systeme Aufgaben und Grundlagen der Geschichtswissenschaft Vormoderne Kulturen Neuzeit Revolutionen Demokratie und Diktatur Nationalsozialismus – Holocaust – II. Weltkrieg Die bipolare Welt nach 1945 Die multipolare Welt nach 1989 GESCHICHTE & POLITISCHE BILDUNG > Denkmal chronologisch HAK/HUM Das neue Schulbuch mit digitalem Zusatzpaket → Enthält alle Lehrplaninhalte von HAK und HUM → Klar strukturierte Seitenkonzepte erlauben eine perfekte Unterrichtsplanung → Transferleistungen und selbstreflexive Elemente → Verknüpfung von historischen und politischen Themen → Sonderseiten zur Auseinandersetzung mit Geschichte in der Gegenwart inkl. 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