Katalog BBS 2026/27

53 POLYTECHNISCHE SCHULE | BERUFLICHE BILDUNG | ALLGEMEINBILDUNG GEOGRAPHIE > Geographie, Geschichte und Politische Bildung Geschichte kritisch gedacht Die Förderung von kritischem Denken und der Fähigkeit zur Reflexion stehen im Mittelpunkt dieser Reihe, die auf Basis des kompetenzorientierten Lehrplans für HTL entwickelt wurde. Die verständliche, anschauliche Aufbereitung der Inhalte, umfangreiches Quellen- und Bildmaterial sowie zahlreiche Übungsaufgaben mit unterschiedlichem Komplexitätsgrad fördern den Lernprozess. → zusätzliche interaktive Übungen → vertiefende Informationen zu einzelnen Themen Zeit – Macht – Raum HTL Geografie, Geschichte und Politische Bildung Tanzer, Kremser Schultyp: 4100 E E-Book L Material für Lehrpersonen Info zum Buch Zeit – Macht – Raum II 2 Die parlamentarische Demokratie Lerneinheit 2: Regierung und Verwaltung Lerneinheit 2 Regierung und Verwaltung Wenn Zeugnisse ausgestellt, Strafzettel verteilt oder Wohnbeihilfen zugesprochen werden, dann handelt es sich um Akte der Verwaltung. Verwaltung ist immer und überall. Das liegt an der Vielzahl an Staatsaufgaben, die Bund, Länder und Gemeinden zu erfüllen haben. So stellt sich die Verwaltung als ein höchst komplexes System dar, das Sie im folgenden Kapitel in Grundzügen kennenlernen. Alle SbX-Inhalte zu dieser Lerneinheit finden Sie unter der ID: 0220. 1 Verwaltungstätigkeit Haben wir zu viele Beamte? Mit der staatlichen Verwaltungist jeder Bürger konfrontiert, ob sie ihm Polizei, Finanzamt oder Lehrkraft begegnet. Sie muss die im Parlament beschlossenen Gesetze umsetzen und dabei streng im rechtlichen Rahmenvorgehen. Art. 18 der Verfassunglegt fest: „Die gesamte staatliche Verwaltung darf nur aufgrund der Gesetze ausgeübt werden.“ Das erfor dert bei allen Entscheiden eine nachvollziehbare und überprüfbare Begründung. Das Verwaltungsrecht ist daher eines der umfangreichsten Rechtsgebiete. Beamte wenden im Rahmen der „Hoheitsverwaltung“Gesetze an (Verordnungen) fen Einzelentscheidungen in Form von „Bescheiden“. Ihre Tätigkeit ist aktenmäßig ten. Beamte können sich aber auch derselben Rechtsmittel bedienen, wie fügung stehen (Privatwirtschafts- bzw. Fiskalverwaltung). Die Verwaltung ist streng hierarchisch organisiert: Anordnungen fließen von oben nach unten und müssen befolgt werden („Weisung“). Diese Weisungsgebundenheit schafft eine höhere Rechtssicherheit für die Bürger/innen und schützt sie vor Willkür, wird aber mit einer gewissen Unbeweglichkeit erkauft, die im „Amtsschimmel“ ihr gültiges Symbol gefunden hat. Häufig beklagt wird auch eine zu große Zahl von Beamtinnen und Beamten, die den Staat und damit den Steuerzahler viel Geldkostet. Dabei wird aber nicht immer bedacht, welche Leistungen der Zahl gegenüberstehen und auf welche Leistungen man verzichten müsste, wenn man eine bestimmte Zahl von Beamten abbaut. Dennoch: „Verwaltungsreform“ ist ein ständiges Thema und das Ziel jeder Regierung, um die Effizienz des Apparats zu erhöhen. Ein weiteres Thema der Kundenfreundlichkeit: Der Beamte bzw. gerinnen und Bürgern nicht nur als „anordnendes Organ“ gegenübertreten, orientiert agieren. A B C D E Im SbX finden Sie einen Text, der Ihnen eine positive Sicht auf die Bürokratie vermittelt, ID: 0221. Querverweis Siehe dazu auch Kapitel 4. Beispiele für so ein Rechtsmittel: Dienstvertrag, Kaufvertrag Die kija (Kinder- und Jugendanwaltschaft) ist ein Beispiel für eine weisungsfreie Einrichtung, wie es schon viele gibt. Die Bürokratie soll dadurch flexibler werden. Die Verwaltung ist zum Schutz der Bürger/innen streng hierarchisch organisiert. Beamte serviceorientiert?? Das wäre ja ganz was Neues! Wenn der Amtsschimmel wiehert … Lernen ID: 0221 Ü 44 Zeit – Macht – Raum II Üben Sichern Wissen Lernen W 2.08: Mehrheits- oder Konkordanzdemokratie? C D Beurteilen Sie, welches System sich in Staaten, wo es starke Minderheiten gibt und die sehr heterogen sind (z. B. mehrere Sprach- und Volksgruppen), eher eignet: die Mehrheits- oder die Konkordanzdemokratie? Begründen Sie Ihre Meinung. W 2.09: Föderalismus A B C D a) Erklären Sie den Begriff „Föderalismus“. b) Lesen Sie den folgenden Text und stellen Sie die unterschiedlichen Positionen der beiden Parteien zum Föderalismus einander in Stichworten gegenüber. c) Beschreiben Sie, welchen Kompromiss die Politiker 1920 fanden. d) Beschreiben Sie, welche Diskussionen daraus entstanden und auch heute noch geführt werden. e) Legen Sie dar, welche Meinung Sie in dieser Debatte vertreten. Kompetenz-Check  K  Ich kann die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Grundzügen erklären. Ich kenne die wesentlichen Institutionen der parlamentarischen Demokratie und ihre Funktionen. Ich kenne die Grundzüge des Wahlrechts in Österreich und seine Entwicklung. Ich kann die Begriffe Konkordanz- und Konkurrenzdemokratie erklären. Ich kann zu Vorzügen der repräsentativen Demokratie Stellung nehmen. Wortmeldungen bei der Nationalratsdebatte vom 29. 7. 1925 NR-Abgeordneter Robert Danneberg (Sozialdemokratische Partei): „Es war die große Frage, was aus dieser Verfassung werden soll, und ich gestehe: meine Partei ist von der Bundesverfassung, von dem bundesstaatlichen Charakter der Verfassung keineswegs begeistert. Wir sind der Meinung, dass ein so kleines und so armes Land wie diese Republik Österreich es ist, viel besser daran täte, einen Einheitsstaat einzurichten. Das wäre zweckmäßiger, das wäre einfacher, das wäre auch viel billiger. Aber, meine Herren, wir wissen ebenso sehr, dass die Machtverhältnisse heute nicht danach sind, den Bundesstaat in einen Einheitsstaat umzuwandeln, denn dieser Kantönligeist, der schon im Jahr 1920 dazu geführt hat, dass man einen Bundesstaat aus Österreich machen musste, dieses provinziale Selbstbewusstsein, das nach eigenen Landesregierungen verlangt, lebt ja heute noch und ist ein Machtfaktor im Lande.“ Ihm antwortete Leopold Kunschak (Christlichsoziale Partei): „Es kann die Frage ganz offenbleiben, ob es vernünftig und praktisch war, dieses kleine Österreich als Bundesstaat zu konstituieren. Heute wenigstens ist es eine müßige Sache, darüber länger zu reden. Es müsste ja Herr Dr. Danneberg selbst zugeben, dass es Tatsachen gewesen waren, denen man nicht widerstehen und die man nicht besiegen konnte, die die damalige Nationalversammlung bestimmt haben, Österreich als Bundesstaat zu konstituieren. Eine der zwingendsten war wohl der Umstand, dass eben die Länder geschichtliche Individualitäten sind, von einem größeren Lebensalter als das frühere und als dieses Österreich. Geschichtliche Tatsachen wirken bekanntlich viel stärker, als manche gesunde Idee zu wirken vermag. Geschichtlich gewordene Tatsachen können nicht ohne weiteres aus der Welt dekretiert werden, auch nicht durch Verfassungsgesetze.“ (Quelle: Stenographische Protokolle der Ersten Republik: II. Gesetzgebungsperiode Nationalrat, S. 2636 bzw. S. 2648) Robert Danneberg (1885–1942) wurde in Auschwitz ermordet. Leopold Kunschak (1871–1953) war ein österreichischer Politiker (CS/ÖVP). konstituieren: gründen; ins Leben rufen als Raherforsie ist die die Zeit – Macht – Raum IV 31 2 Der Erste Weltkrieg Lerneinheit 1: Der Weg in den Krieg Üben Ü 2.10: Ansprüche Deutschlands B C D Analysieren Sie das folgende Gedicht des Juristen, Historikers und Schriftstellers Felix Dahn (1834–1912) in Hinblick darauf, auf welchen ideologischen Grundlagen es beruht. Wozu ruft der Dichter auf? Welche Begründung dafür kann man aus dem Gedicht herauslesen? Welches Selbstverständnis des „Deutschen“ steht dahinter? Ordnen Sie die Haltung Dahns in das Ursachenspektrum ein, das zum Ersten Weltkrieg beigetragen hat. FelixȱDahn:ȱLiedȱderȱDeutschenȱjenseitsȱderȱMeereȱ(1886) NochȱwarȱdieȱWeltȱnichtȱganzȱvertheilt!ȱ/ȱNochȱmancheȱFlurȱaufȱErden HarrtȱgleichȱderȱBraut:ȱdieȱHochzeitȱeilt!ȱ/ȱDesȱStarkenȱwillȱsieȱwerden. NochȱmanchesȱEilandȱlocktȱundȱlauschtȱ/ȱAusȱPalmenȱundȱBananen: DerȱSeewindȱbraust,ȱdieȱWogeȱrauscht,ȱ/ȱAuf!ȱfreudigeȱGermanen! Ü 2.11: Rolle der Erziehung C D Diskutieren Sie, ausgehend von den beiden Abbildungen eines zeitgenössischen Kinderbuchs und dem Kinderbrief auf der folgenden Seite, die Auswirkungen der Erziehung auf die Einstellung der Heranwachsenden zur Gewalt. Der Text lautet: DasȱMaschinengewehr Hurrah!ȱJetztȱkommtȱderȱVerbündetenȱHeer SogarȱmitȱeinemȱMaschinengewehr! DasȱrattertȱundȱwirftȱblaueȱBohnen AufȱdieȱKosakenschwadronen. Brief von Josef Tacha, Schüler einer 5. Klasse Volksschule, an österreichische Soldaten 1914: AnȱunsereȱtapferenȱKrieger! IrȱwießtȱdasȱWeihnachtenȱvorȱderȱTürȱsindȱwollenȱwirȱunserȱSchärfleinȱhervorȱbringenȱ undȱetwasȱzuȱschicken,ȱdannȱwerdenȱdieȱRußenȱundȱSerbenȱvieleȱSchlägeȱbekommen. Esȱ wünschtȱ vonȱ ganzemȱ Herzenȱ dieȱ ganzeȱ 5.cȱ Volksschulglasseȱ Wienȱ IIȱ Bez.ȱ Erdbergstraßeȱ76. A B C D E Kosakenschwadronen: militärische Einheiten von russischen Reitern 30 Zeit – Macht – Raum IV Üben Sichern Wissen Lernen 6 Die Schuldfrage „Es wollte keiner dem Krieg aus dem Weg gehen.“ Die Frage, wer die Hauptschuld am Ausbruch des Weltkriegs trägt, war und ist umstritten. Die meisten Historiker begnügten sich mit der Feststellung, dass die europäischen Mächte in den Krieg „hineingeschlittert“ seien, ohne ihn wirklich gewollt zu haben. Heute wissen wir, dass alle beteiligten Großmächte an einen kurzen, siegreichen Krieg glaubten und bereits Konzepte in der Tasche hatten, wie sie danach die politische Ordnung in Europa gestalten würden. Sie waren auf einen Krieg zur Lösung von Konflikten eingestellt; die eigene Ehre ging über die Bereitschaft, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und einen Kompromiss zu finden. Die Frage nach der Hauptverantwortung ist damit noch nicht geklärt. Zu Österreich-Ungarn stellte der deutsche Politologe Herfried Münkler fest: KaiserȱFranzȱJosephȱwollteȱsicherȱdenȱKrieg,ȱallerdingsȱeinenȱbeschränktenȱKriegȱmitȱSerbien,ȱallenfallsȱeinenȱdrittenȱBalkan-Krieg,ȱnichtȱjedochȱdenȱgroßenȱeuropäischenȱKrieg.ȱ DasselbeȱtrifftȱaufȱdieȱKriegsbefürworterȱumȱConradȱzu,ȱdieȱsichȱvonȱeinemȱWaffengangȱ eineȱ Revitalisierungȱ desȱ Reichsȱ undȱ eineȱ Bestätigungȱ alsȱ Großmachtȱ versprachen.ȱ Einȱ großerȱKrieg,ȱdasȱmusstenȱauchȱdieȱBefürworterȱeinerȱüberschaubarenȱAuseinandersetzungȱwissen,ȱtrugȱdasȱRisikoȱinȱsich,ȱdassȱeineȱNiederlageȱgleichbedeutendȱmitȱdemȱEndeȱ desȱReichsȱwäre.ȱAuchȱhierȱherrschteȱalsoȱeineȱMischungȱausȱIllusionen,ȱFehlkalkulationenȱundȱschlichtenȱFehlernȱvor.ȱDerȱBegriffȱderȱSchuldȱistȱfürȱmichȱnachȱhundertȱJahrenȱ keineȱsinnvolleȱKategorieȱmehr. Quelle: Wiener Zeitung vom 29./30. 3. 2014, S. 11. Zu ergänzen ist, dass auch die schweren Niederlagen der Habsburgermonarchie gegen Serbien und Russland nichts am Entschluss Kaiser Franz Josephs änderten, den Krieg fortzusetzen. Der österreichische Historiker Helmut Konrad schreibt zur Verantwortung Österreich- Ungarns: Unbestrittenȱistȱ[…]ȱdasȱAblaufszenarioȱvomȱAttentatȱinȱSarajevoȱbisȱzurȱerstenȱKriegserklärung,ȱdieȱdurchȱdieȱHabsburgermonarchieȱanȱSerbienȱerfolgte.ȱDasȱwarȱderȱTüröffner,ȱ derȱaberȱeineȱlangeȱundȱkomplexeȱVorgeschichteȱhatȱundȱauchȱunterȱkonkretenȱbündnispolitischenȱRahmenbedingungenȱstattgefundenȱhat.ȱIndividuellesȱDrängenȱaufȱeinenȱPräventivschlag,ȱlängerfristigeȱUmverteilungsvorstellungenȱderȱ„Weltmacht“,ȱgeopolitischeȱ Wünsche,ȱAufrüstungspolitikȱderȱLandstreitkräfteȱundȱderȱFlotten,ȱallȱdasȱspielteȱimȱSommerȱ1914ȱzusammen.ȱDerȱKriegsausbruchȱundȱseineȱAusweitungȱzumȱeuropäischenȱKriegȱ undȱ zumȱ Weltkriegȱ kennenȱ ebenȱ unmittelbareȱ undȱ strukturelleȱ Verantwortung.ȱ Dassȱ dieseȱbesondersȱauchȱdieȱMittelmächteȱtrifft,ȱistȱunbestritten. Quelle: Konrad, H.: Über die Kriegsschuld. In: Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (Hg.): 1914–2014. Grundlagenpapier österreichischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Anlass des Gedenkens des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren (2013), S. 9–10, hier S. 10. Dieses Zitat stammt aus einem Interview mit dem australisch-britischen Historiker Christopher Clark im Jahr 2013. Wer trägt die Schuld? Titel E-Book E-Book Solo Material für Lehrpersonen* Zeit – Macht – Raum HTL IV 170747€ 23,43 205993€ 17,49 978-3-7068-6975-1 € 19,90 * Begleitmaterialien für Lehrpersonen sind mit Schulkennzahl über die Schulbibliothek als Download im jeweiligen Buchtitel verfügbar. E L Material für Lehrpersonen  Lösungen zu den Übungen  Didaktisch-methodische Hinweise

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