133 POLYTECHNISCHE SCHULE | BERUFLICHE BILDUNG | ALLGEMEINBILDUNG FACHUNTERRICHT > Betriebstechnik Betriebstechnik für Wirtschaftsingenieur*innen Die zweibändige Reihe behandelt die Grundlagen der Betriebstechnik für angehende Wirtschaftsingenieur*innen. Band 1 legt den Schwerpunkt auf Unternehmensorganisation, Logistik, Materialwirtschaft und Arbeitsvorbereitung. In Band 2 lernen die Schüler*innen Inhalte der Kostenrechnung, Produktionsplanung, Betriebsstättenplanung sowie des Projekt- und Qualitätsmanagements. Praxisnahe Übungs- und Fallbeispiele erleichtern den Erwerb der Kompetenzen. Zahlreiche Infografiken fassen die Inhalte übersichtlich zusammen. Im Anhang sind zu jedem Kapitel zentrale Fachbegriffe in englischer Übersetzung angeführt. → Digitales Zusatzmaterial: Excel-Vorlagen für Übungsbeispiele und Zusatzinhalte als PDF Blick ins Buch LERNEN 3Kostenstellenrechnung In einem Unternehmen fallen viele unterschiedliche Arten von Kosten an. Die Kostenstellenrechnung versucht diese Kosten möglichst verursachungsgerecht auf die einzelnen Verantwortungsbereiche aufzuteilen. Ü 1.24 Betriebskostenabrechnung in einem Mehrparteienhaus Diejenigen von euch, die in einem Mehrparteienhaus wohnen, kennen sicher die jährliche Betriebskostenabrechnung, die den einzelnen Wohnungseigentümern von der Hausverwaltung übermittelt wird. In dieser Betriebskostenabrechnung ist angeführt, wie hoch die jährlichen Kosten des gesamten Mehrparteienhauses für Kanal, Wasser, Feuerversicherung usw. sind und wie viel davon die einzelnen Wohnungseigentümer zu bezahlen haben. Überlege dir, wie diese gesamten Betriebskosten auf die einzelnen Wohnungen aufgeteilt werden. Die gleiche Aufgabe hat die Kostenstellenrechnung in einem Unternehmen. Bestimmte Kosten können den Unternehmensbereichen, die sie verursacht haben leicht zugeordnet werden, bei anderen muss ein bestimmter Verteilungsschlüssel herangezogen werden. Kostenstellen Kostenstellen sind Unternehmensbereiche (z. B. Abteilungen), denen die Gemeinkosten entsprechend ihrer Verursachung zugerechnet werden. Die Untergliederung des Unternehmens in Kostenstellen erleichtert es zu erkennen, wo Kosten entstehen, auf welche Ursachen sie zurückzuführen sind und von wem sie zu verantworten sind. Montagehalle für Landmaschinen Das oberösterreichische Unternehmen Pöttinger investierte 25 Mio. Euro in eine Hallenerweiterung um 12 000 m² für Produktion und Logistik. Wohnen in der Seestadt Der neue Wiener Stadtteil „Seestadt Aspern“ entsteht seit 2008 auf 2,4 Mio m2 Fläche. Mehr als 20 000 Menschen sollen hier wohnen und arbeiten. 1 Kostenstellen sind abgrenzbare Verantwortungsbereiche, in denen Kosten anfallen. Der Leiter einer Kostenstelle ist für deren wirtschaftliche Führung verantwortlich. Betriebstechnik HTL III–V 23 Kapitel 1: Vollkostenrechnung Ü 1.23 Betriebsüberleitungsbogen C Die Saldenliste der Buchhaltung einer Zimmerei weist für das Geschäftsjahr 20X4 folgende Aufwendungen aus: Konto Bezeichnung Aufwand 5100 Rohstoffverbrauch 220.000,– 5150 Verbrauch Zukaufteile 88.300,– 5300 Hilfs- und Betriebsstoffverbrauch 76.000,– 5630 Energie 22.500,– 6000 Fertigungslöhne (inkl. LNK) 380.000,– 6050 Hilfslöhne (inkl LNK) 112.800,– 6200 Gehälter (inkl. LNK) 160.000,– 7020 buchhalterische Abschreibung 240.000,– Fremdleistungen 109.000,– Versicherungsaufwand 19.500,– Forderungsausfälle 15.900,– Schadensfälle 17.000,– sonstige Aufwendungen 91.200,– Zinsaufwand 20.600,– Leite die obigen Aufwendungen mithilfe eines Betriebsüberleitungsbogens (BÜB) zu Kosten über. Eine periodische Abgrenzung ist nicht durchzuführen. Im Rahmen der sachlichen Abgrenzung sind folgende Punkte zu berücksichtigen: Als kalk. Wagnisse für Forderungsausfälle werden 1,1% der Umsatzerlöse von voraussichtlich € 1,6 Mio./Jahr berücksichtigt. Als kalk. Wagnisse für Schadensfälle wird der Durchschnitt der tatsächlichen Schadensfälle der letzten drei Jahre herangezogen: € 50.000,–; € 8.000,–; € 17.000,– Für das von den Eigentümern bereitgestellte Eigenkapital von € 180.000,– sollen 8% kalk. Zinsen als Kosten berücksichtigt werden. Als kalk. Abschreibungen wurde der Betrag von 292.000,– pro Jahr ermittelt Für die beiden Gesellschafter sind pro Monat je € 5.000,– kalk. Unternehmerlohn einzurechnen. Ordne die aus den Aufwendungen übergeleiteten Kosten den Kategorien „Einzelkosten“ bzw. „Gemeinkosten“ zu. Holz für die Industrie Das Tiroler Unternehmen Egger verarbeitet im Stammwerk in St. Johann 600 000 Tonnen Holz/Jahr zu Span-, OSB- und MDF-Platten. Das sind ca. 20 000 Lkw! Betriebstechnik HTL III–V Betriebstechnik HTL Jennewein, Ostermayer, Stradner Schultyp: 4100 E E-Book L Material für Lehrpersonen Material für Lehrpersonen Lösungen zu den Übungen Didaktisch-methodische Hinweise Titel E-Book E-Book Solo Material für Lehrpersonen* Betriebstechnik HTL I/II 190409€ 24,32 206139€ 18,14 978-3-7068-7614-8 € 19,90 Betriebstechnik HTL III/V 195192€ 23,63 206171€ 17,89 978-3-7068-6726-9 € 19,90 * Begleitmaterialien für Lehrpersonen sind mit Schulkennzahl über die Schulbibliothek als Download im jeweiligen Buchtitel verfügbar. E L 7550 Fremdleistungen Ordne die aus den Aufwendungen übergeleiteten Kosten den Katego zu b) Materialproduktivität [ St. m2 ] = erzeugte Menge[ St. Jahr] Materialeinsatz[ m2 Jahr] 20X0 20X1 Materialeinsatz 204 202 [m2/Jahr] erzeugte Menge 25 200 24 100 [Stück/Jahr] Materialproduktivität 124 119 [Stück/m2] ∆ Produktivität [%] = Produktivität20X1 – Produktivität20X0 Produktivität20X0 × 100 = = 119 – 124 124 × 100 = – 4,03 % Die Materialproduktivität ist um ca. 4 % schlechter geworden. Ü 1.29 Produktivität C In der Produktion einer Bäckerei sind neben dem Bäckermeister zwei Gesellen und zwei Lehrlinge beschäftigt, die täglich 8 Stunden arbeiten. In der Backstube gibt es zwei Teigkneter, eine Stanzmaschine und einen Backofen. In einer Arbeitswoche mit 5 Arbeitstagen hat das Unternehmen 150 000 Backwaren hergestellt. Dafür wurden 6900 kg Mehl verbraucht. a) Ermittle die durchschnittliche Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde eines Mitarbeiters. b)Errechne die Maschinenproduktivität der einzelnen in der Backstube eingesetzten Maschinentypen je Arbeitsstunde. c) Berechne die Materialproduktivität in der Bäckerei. Rentabilität Die Rentabilität ist das Verhältnis von erzieltem Gewinn (= Erlöse minus Kosten) zum eingesetzten Kapital. Ein Unternehmen erzielt Erlöse durch den Verkauf von Produkten bzw. Dienstleistungen. Erlöse werden auch als Umsatz bzw. Umsatzerlöse bezeichnet. Kosten entstehen durch den Verbrauch von Material, Entlohnung der Mitarbeiter, Wertminderung der Betriebsmittel, Miete usw. Das eingesetzte Kapital sind die finanziellen Mittel, die im Unternehmen gebunden sind (z.B. Betriebsmittel, Lagerbestand). Rentabilität = [ % Jahr ] = Gewinn[ € Jahr ] eingesetztes Kapital [€] × 100 Gewinn[ € Jahr ] = Erlöse [ € Jahr ] – Kosten [ € Jahr ] Erlöse[ € Jahr ] = Stückerlöse [ € St. ] × Menge [ St. Jahr ] Kosten[ € Jahr ] = Stückkosten [ € St. ] × Menge [ St. Jahr ] Striezel am Fließband Trotz der notwendigen Automatisierung setzt die Firma Ankerbrot auf Handarbeit. Betriebstechnik I/II 29 Kapitel 1: Grundlagen der Wirtschaft Lerneinheit 5: Kennzahlen und ihre Bedeutung Betriebliche Kennzahlen Die Möglichkeiten, Kennzahlen zu berechnen, sind praktisch unbegrenzt. Kennzahlen sind jedoch kein Selbstzweck; es sollen nur jene Kennzahlen berechnet werden, die für betriebliche Entscheidungen relevant sind. Beispiele für solche häufig verwendeten Kennzahlen sind die Produktivität und Rentabilität. Produktivität Bei der Kennzahl der Produktivität werden das mengenmäßige Ergebnis der Leistungserstellung (= Ausbringungsmenge, z.B. Semmeln/Tag,) und der Einsatz an Produktionsfaktoren (= Einsatzmenge, z.B. kg Mehl/Tag) in ein Verhältnis zueinander gestellt. Produktivität = Ausbringungsmenge Einsatzmenge Je nach betrachtetem Produktionsfaktor (z.B. Material, Personal, Betriebsmittel) werden verschiedene Produktivitätskennzahlen ermittelt, z.B. Materialproduktivität, Arbeitsproduktivität, Betriebsmittelproduktivität. L 1.3 Produktivität In einem Produktionsbetrieb werden u. a. Gehäuse aus Stahlblech in Serienfertigung hergestellt. Folgende Produktionsdaten liegen für die Jahre 20X0 und 20X1 vor. 20X0 20X1 erzeugte Menge 25 200 24 100 St./Jahr Materialeinsatz 204 202 m2 /Jahr Arbeitsstunden 2900 2720 h/Jahr a) Berechne die Arbeitsproduktivität in den beiden Jahren. Wie hoch ist die prozentuelle Veränderung? b)Berechne die Materialproduktivität in den beiden Jahren. Wie hoch ist die prozentuelle Veränderung? Lösung: zu a) Arbeitsproduktivität [St. h ] = erzeugte Menge[ St. Jahr] Arbeitsstunden[ h Jahr ] 20X0 20X1 Arbeitsstunden 2900 2720 h/Jahr erzeugte Menge 25 200 24 100 St./Jahr Arbeitsproduktivität 8,69 8,86 St./h ∆ Produktivität [%] = Produktivität20X1 – Produktivität20X0 Produktivität20X0 × 100 = = 8,86 – 8,69 8,69 × 100 = 1,96 % Die Arbeitsproduktivität ist um ca. 2 % besser geworden. 3 Sind Roboter produktiver? Die voestalpine fertigt in ihrem Werk in Linz Automobilkomponenten. Diese Laserschweißanlage läuft vollautomatisiert. 28 Betriebstechnik I/II Neu bearbeitet
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