mobile.schule MAGAZIN Ausgabe 01/26

43 MITBESTIMMUNG I mobile.schule: Wie hast du Mitbestimmung selbst erlebt? Quentin Gärtner: Es gab Lehrkräfte, die ehrlich nach unserer Meinung gefragt haben: Wollt ihr Projektarbeit machen, wollt ihr das Thema vertiefen? Und es gab die, die einfach das Programm abgespult haben. Ein Beispiel: Ich musste oft in Klausuren die Frage erörtern, ob wir Schuluniformen brauchen oder nicht. Das war so der Standard – aber für uns völlig belanglos. Dabei hätte es so viele Themen gegeben, die uns näher gewesen wären: YouTube-Nutzung, Bildschirmzeiten, Dönerpreis. Hätte man uns nur gefragt. mobile.schule: Und in den Naturwissenschaften, wie würde Mitbestimmung da funktionieren? Quentin Gärtner: Klar, ein Grundkanon muss unterrichtet werden. Auch, wenn Schülerinnen und Schüler in Geschichte plötzlich sagen würden, dass sie nicht über den Holocaust sprechen wollen, dann geht das natürlich nicht. Aber man kann immer Schwerpunkte setzen: Klima, Energie – Themen, die uns gerade bewegen. Das geht auch in Mathematik. Man kann dann über die von Schüler:innen gewählten Themen wieder den Bogen zum Lehrplan schlagen. Ich finde nur wichtig, dass das Interesse der Schüler:innen der Ausgangspunkt ist. mobile.schule: Du warst Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Wie bewertest du die klassischen Mitwirkungsmöglichkeiten? Quentin Gärtner: Ich habe das System als träge erlebt. Wir brauchen Schülervertretungen, die nicht nur Waffeln verkaufen, sondern die tatsächlich wahrgenommen werden, die mitbestimmen und etwas verändern können. Zum Beispiel brauchen wir ein Anhörungsrecht in Lehrerkonferenzen. mobile.schule: Wie kann man denn erreichen, dass sich Schülerinnen und Schüler aus allen sozialen Schichten an der Mitbestimmung beteiligen? Quentin Gärtner: Ja, nach wie vor arbeiten viele privilegierte Menschen in der Vertretung – da müssen wir besser und diverser werden. Schulen sollten gezielt dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und jedem und jeder Einzelnen klarmachen, dass das eine wichtige Chance ist. Wenn da eine gute Ansprache kommt, trauen sich auch Jugendliche, die zu Hause wenig Rückhalt bekommen. Sie müssen erfahren, dass ihr Engagement ernst genommen wird – nicht nur als Pflichtübung nach dem Motto: „Wir müssen jetzt jemanden wählen.“ Und wir müssen die Bürokratie vereinfachen. Stichwort Reisekosten: Die werden zwar meistens erstattet, aber zum Teil erst im Nachhinein Illustration: © iStockphoto.com/Aleksei Naumov

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