mobile.schule MAGAZIN Ausgabe 01/26

4 mobile.schule: Seit Jahren engagierst du dich im Netz gegen Desinformation. Was treibt dich an? Etrit Asllani: Als ich auf TikTok anfing, wollte ich psychologische Inhalte einfach und verständlich vermitteln und dabei Küchenpsychologie und pseudowissenschaftliche Behauptungen richtigstellen. Bald merkte ich jedoch, dass Desinformationen in allen Bereichen kursieren, nicht nur in der Psychologie. Zwar gibt es Faktencheck-Seiten, aber die muss man aktiv aufsuchen. Auf Plattformen wie TikTok funktioniert Information passiv, über personalisierte Feeds. Also wollte ich dort ansetzen und einen Kanal aufbauen, der sich genau damit beschäftigt. Die Resonanz war riesig: „Es ist so wichtig, was du tust“, hieß es in den Kommentaren. Mich motiviert der Gedanke, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, wie wir mit Informationen umgehen. Mit @keinfakenews möchte ich zeigen, dass Aufklärung auch unterhaltsam sein kann und dass Medienkompetenz heute zu den wichtigsten Fähigkeiten gehört. mobile.schule: Auf TikTok erreichst du inzwischen über 600.000 Follower. Was lernst du aus der Interaktion und dem Feedback? Etrit Asllani: Ich sehe täglich, wie groß das Bedürfnis nach Orientierung ist: Wem kann ich trauen? Was bedeutet diese Nachricht für mich, meine Familie, meine Zukunft? Die Kommentare zeigen, dass viele den Austausch suchen. Es ist ein Dialog, kein Monolog. Oft melden sich Fachleute und ergänzen Inhalte, von denen auch ich lerne. Viele schicken mir Fakes, die ich noch nicht kannte. So bekomme ich ein gutes Gefühl dafür, welche Themen Menschen verunsichern und kann genau dort ansetzen. TikTok ist für mich nicht nur eine Plattform zum Aufklären, sondern auch ein Ort des gemeinsamen Lernens. mobile.schule: Du teilst dein Wissen in Webinaren und warst Referent auf der letzten mobile.schuleTagung. Welche Tipps hast du für Lehrkräfte? Etrit Asllani: Lehrkräfte sind eine zentrale Schnittstelle, wenn es um Medienkompetenz geht. Meine kurzen Videos können nur Impulse setzen – echte Kompetenz entsteht erst in der Auseinandersetzung im Unterricht. Mein wichtigster Tipp: auf Augenhöhe arbeiten, nicht mit erhobenem Zeigefinger. Greifen Sie Themen auf, die die Schüler:innen gerade bewegen, und nutzen Sie sie als Einstieg in Diskussionen oder Unterrichtskonzepte. KI kann dabei unterstützen. Entscheidend ist, die gleiche Sprache zu sprechen, den Kindern und Jugendlichen wertschätzend und interessiert zu begegnen. Also lieber gemeinsam einen viralen Clip analysieren, als abstrakt über Fake News reden. Und selbst neugierig bleiben! Die digitale Welt verändert sich schnell. Wer bereit ist, mitzulernen, bleibt glaubwürdig, auch ohne jedem Trend hinterherzulaufen. ... an Etrit Asllani. Der Psychologe engagiert sich mit dem Handle @keinfakenews auf verschiedenen Social-Media-Plattformen gegen Desinformation. Im Interview mit unserer Redaktion berichtet er, was ihm wichtig ist und wie das Thema in der Schule gut behandelt werden kann. Interview Etrit Asllani Drei FRAGEN ... Etrit Asllani ist Psychologe und Change-Experte. Er setzt sich intensiv mit den Themen Medienkompetenz, Desinformation und Algorithmen auseinander. Als Content Creator (@keinfakenews) auf TikTok, Instagram und YouTube erreicht er über 650.000 Follower und klärt dort über die Mechanismen von Fake News, Plattformlogiken und Informationsmanipulation auf. Für dieses Engagement wurde er 2024 mit dem Goldenen Blogger Award in der Kategorie Soziales Engagement ausgezeichnet. Etrit Asllani (© privat) I DREI FRAGEN

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg5NDY1NA==