32 ieser und unzählige ähnliche dumme Sprüche über das Leben von Lehrer:innen halten sich von Generation zu Generation. Sobald Bildungsthemen angeschnitten werden, empfiehlt es sich, die Kommentarspalten in Diskussionsforen zu meiden, weil der Ton dort immer wieder abwertend und spöttisch ist. Heute scheint jede:r eine explizite Meinung über Lehrkräfte und über Schule zu haben. Für mich als ehemaligen Lehrer zeigt sich dadurch leider eines sehr deutlich: Man redet viel über „uns“, aber wir selbst können die Diskussion über Bildung nur wenig steuern. In Talkshows und auf Podien sitzen Menschen, die sich selbst als Bildungsexpert:innen ausgeben, deren Expertise aber kaum nachprüfbar ist. Nicht wenige wechseln ihre Themenschwerpunkte, wie sie gerade passen: Gestern noch KI Expert:in, heute schon Spezialist:in für Jugendmedienschutz. Verrückt, wie immer dieselben Stimmen die Diskussion über Bildung und über unsere Arbeit bestimmen. Verrückt, wie Menschen zu Sprecher:innen und Influencer:innen hochstilisiert werden. Menschen, die plötzlich politisch und medial relevant werden, ohne dass sie sich je legitimiert hätten. Niemand hat sie gewählt. Die Frage ist, ob es eine Mehrheit gibt, die sie als Vertretung in der Öffentlichkeit wünschen würde – ich bezweifele das. Ich habe einmal den Satz gehört: „Toll, dass Influencer:in X nun Gehör findet und uns eine Stimme gibt.“ Ich glaube das nicht! Wir brauchen keine Influencer:innen, wir brauchen mehr Selbstbewusstsein! Wir müssen als Lehrkräfte selbst die Stimme erheben, die Diskussion wieder übernehmen und nicht andere sprechen lassen. Zumal einige – und das sage ich ganz ohne Vorwurf – ihr Geschäft damit machen. Niemand sollte sich selbst als Sprecher:in eines ganzen Berufsstands benennen dürfen und gleichzeitig von Interessengruppen bezahlen lassen. Denn daraus entstehen zwangsläufig Konflikte. Eine neutrale Position können diese gekauften Stimmen nicht mehr glaubhaft vertreten. Das deutsche Bildungssystem hat riesige Baustellen. Vieles funktioniert nicht mehr, und die Arbeitsbedingungen haben sich massiv verschlechtert. Warum aber ist das System noch nicht zusammengebrochen? Ganz einfach, weil alle Lehrkräfte einen super Job machen, weil sie diese Bildungsruine (Gruß an Frau Müller) weiterhin aufrechthalten und weil ihnen das Wohl der Schülerinnen und Schüler so wichtig ist. Das System hält sich, weil die Akteur:innen viel Herzblut und tolle pädagogische Arbeit investieren. Mein Appell an alle, die dazu beitragen: „Seid stolz auf eure Arbeit, seid stolz auf den Job. Seid stolz auf euch! Beteiligt euch an Diskussionen, streitet euch mit anderen und sorgt dafür, dass unser Platz in der Gesellschaft wieder sichtbarer wird. Das dürfen keine selbsternannten Influencer:innen für uns übernehmen!“ I KOMMENTAR „MORGENS HABEN SIE RECHT UND NACHMITTAGS ZEIT…“ D Andreas Hofmann Gründer und Geschäftsführer von mobile.schule Andreas Hofmann (© privat)
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