12 Begleiten statt kontrollieren An unserer Schule gibt es kein starres Smartphoneverbot. Alle Schülerinnen und Schüler verfügen über ein eigenes iPad, das im Unterricht selbstverständlich genutzt wird. Für die Pausen haben wir gemeinsam Regeln entwickelt: Manche Lerngruppen legen ihre Smartphones in Garagen, andere dürfen sie bewusst nutzen – nach klaren, selbst festgelegten Vereinbarungen, die für alle gelten. Zum Beispiel kann gemeinsam beschlossen werden, dass das Handy in der zweiten großen Pause genutzt werden kann. Entscheidend ist für uns, dass Medien nicht verboten, sondern verstanden werden. Wir möchten „Medieninseln“ schaffen, also Orte, an denen Kinder mit allen Medienformen umgehen, Erfahrungen teilen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Begleitung statt Kontrolle ist hier das Prinzip. Als Medienpädagoge habe ich eine besondere Rolle. Ich bewerte nicht, ich begleite. Ich bin Ansprechpartner auf Augenhöhe, jemand, dem man erzählen kann, ohne Angst vor Noten oder Konsequenzen. So entstehen Gespräche, die weit über technische Fragen hinausgehen. Kinder erzählen von digitalen Erlebnissen, die oft eng mit ihren Gefühlen verbunden sind. Ich halte nichts davon, Smartphones zu kriminalisieren oder sie mit Waffen- und Drogenverboten gleichzusetzen. Ich nenne das Pädagogik der Empathie, eine Haltung, die Beziehung vor Kontrolle stellt. Zuzuhören, bevor man urteilt. Vertrauen wächst, wenn Kinder spüren, dass sie ernst genommen werden, auch in ihren Onlinewelten. „Wie war dein digitaler Tag?“ könnte eine dieser Fragen sein. Bildung beginnt genau dort, wo Beziehung Vorrang vor Kontrolle hat. I SCHULENTWICKLUNG Christian Hauser (© privat) Christian Hauser ist Medienpädagoge und Präventionsmanager an den Förderschulen der Hephata Diakonie in Hessen. Mit seinem Medienprojekt „Logout statt Knockout“ begleitet er Schulen auf dem Weg zu einer empathischen und verantwortungsvollen Medienkultur. Illustration: © iStockphoto.com/Ecelop
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